Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Bittschrift der Juden in Deutschland, an die Repräsentanten unserer Nation, um das deutsche Bürgerrecht. Von Hofrath Grund in Regensburg
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 527 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829402-2829414-2866232--13824-2866288- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
527 Bittschrift der Inder. Juden zn Frankfurt Stättigkeit und Ordnung im Jahre 1616, in welcher jene.in Allem, was der natürlichen Freiheit und dem Zustande in der Gesellschaft Fesseln anlegt, in die engsten Gränzen zurückgedrängt werden." ״Wenn der Jude in manchen Orten auch öfters mit Schonung behandelt wird, so ist es die momentane Wirkung eines oder des andern fühlenden Richters oder Gewalthabers; aber die Verordnungen der feindseligen Jahrhunderte bleiben in ihren eherne!: Buchstaben unverändert; ::::verändert in einer Epoche, in der die Menschenachtung an die Tagesordnung in Europa tritt, der Lichtstrahl der 'Aufklärung in die öden Winkel der Erde dringt — die blutigen Linien unkenntlich werden, welche religiöse Barbarei in unglücklicher!: Zeiten zwischen Völkern und Völkern zog; unverändert noch in der Mitte eines großen Volkes, das sich von jeher in dem Geiste einer freier: und gerechter: Ration der Welt verkündet und Aufklärung ur:d Humanität genährt hat. Die französische Republik, welche bei sich die Vernunft ir: ihre alten Rechte wieder einsetzte, war es auch hier, welche der: Völkern mit dem ruhmwürdigen Beispiele der Bebürgerung der Judenschaft vorauging; dieser folgten die Schwester-Republiken, und es ist bekannt, daß die Juden in der b a t av i s ch e n Republik g l ü ck l i ch in dem Besitze einer bessern Existenz und durch das traurige Loos ihrer deutschen Brüder zur Theilnähme gestimmt, in einen: besonder!: Schreiben bei der französischen Gesandschaft zu Rastadt!nit der Bitte einkamen, wegen der lästigen Distinktim: dieser in Deutschland und wegen mehrerer denselben zu ertheilenden Rechte mit den deutsche!: Gesandten zu unterhandeln. Die Stimme der Menschheit wurde bald hernach durch das Getöse der Waffen erstickt. In den deutsche!: Ländern zeichnet sich die humane Regierung der weisen Monarchen Preußens und Dänemarks aus. In ihren Staaten freuen sich die Jude!: vieler bürgerlicher: Vortheile, die sie anderswo nicht genießen, indesser: die Bildung und Liberalität der dortigen Einwohner jede Ungleichheit der vorigen Zeit in Vergessenheit brachte. — Der unterzeichnete Bevollmächtigte der deutschen Judengemeinde sicht sich theils durch diese erhabenen Beispiele von Nationäl-Aufklärung, theils durch den den: deutschen Volke eigenen Charakter der Billigkeit, theils durch die Humanität, mit welcher eine Hochansehnliche Neichsdepntation die Hochihr übertragenen Geschäfte bezeichnet, aufgefordert, hier vor den Schranken einer hohen National-Repräsentation die gerechten Wünsche und die unterthänigste Bitte einer größtentheils gedrückten Meuschenklasse in