Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 11
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 518 (sequence 4)
- Language
- German
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518 Recenswnm. Ursprung in biefem Streite, und jedes Schulkind weiß — es ist nicht unsere Schuld, daß wir nun schon zum zweiten Male Hrn. Löw in die Schule um Auskunft schicken müssen —, was diese epistolae der katholischen Kirche geschadet haben. Wo keine öffentliche Meinung vorhanden ist, da ist das Wort machtlos und mit Recht sagt Grätz: daß das Wort Luther's wie eine Waffe oder wie ein Mauerbrecher wirken konnte, das hat Pfefferkorn's erbitterter Krieg gegen den Talmud veranlaßt. Diese Ansicht, die gar nicht einmal originell ist, die von David Fr. Strauß gleichfalls vorgetragen wird, nennt Löw aus Unkenntniß der geschichtlichen Thatsachen ״albern" und fragt, ob denn ein Talmudstreit dem Johann Whklif und dem I. Huß vorangegangen sei? Nun, soweit unsere Kenntniß reicht, hatten diese Reformatoren keinen entscheidenden Erfolg. Nicht, daß Luther Reformideen hatte, sondern daß sie sich in Deutschland verbreiteten, schreibt überdies Grätz der durch Neuchlin und Genossen gegen die Mönche erregten Stimmung zu und hebt hierbei noch hervor, daß es deutscher Art ganz besonders entspräche, einen Streit erst mit Worten auszukämpfen, bevor man zur That schreite. Czechenart ist das bekanntlich nicht. Roch drolliger ist der Einwurf, warum sich denn die Reformation in Ungarn so rasch verbreitet hat, da dort nicht für und gegen Talmudverbrenuung disputirt worden ist. Hr. Löw, der bei aller Talmudfeindschaft ja ganz geschickt disputirt, vergißt in der Hitze des Gefechts die Kleinigkeit, daß Luther in Deutschland eine Reformation erzeugen und ihr Anhang verschaffen sollte, während den Ungarn der Protestantismus als eine reife Frucht in den Schooß ftel. Nachdem Hr. Löw auch über den vierten Band des Grätz'schen Werkes seinen Kohl zu Markte getragen hat, wendet er sich der Frage zu, ob die Juden eine Geistlichkeit haben. Diese Frage wird in ihrem historischen Zusammenhänge von Mosel) bis — Löw grüudlich, sehr gründlich erörtert. Hr. vr. Htrschler hatte ein Memorandum verfaßt, aus welchem Löw folgende Sätze citivt: Der Wirkungskreis der Rabbiner in israelitischen Gemeinden ist durchaus nicht identisch mit dem der Geistlichen anderer Konfessionen. Der Rabbiner ist kein nothwendigeS Ersorderniß der Religionsgemeinde; vielmehr kann eine vollkommen organisirte Religionsgemeinde auch ohne Rabbiner bestehen. Der Rabbiner ist blos