Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 11
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 519 (sequence 5)
- Language
- German
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Recensionen. 519 eilt Theolog, welcher der Lehrer seiner Gemeinde ist." Tiefe Sätze klingen ganz unverfänglich. In diesen Worten liegt keineswegs, was Löw S. 23 eben erst in sie hineinlegt: ״Das Judenthum zählt es nicht zu seinen Aufgaben, den Bedürfnissen des Geistes und des Gemüthes seiner Bekenner Rechnung zu tragen." Gesetzt, es fragte Jeniand Hrn. Löw, was zu einem Haushalte absolut nöthig sei, so wird er sicherlich Schiller oder Göthe oder Petöfy nicht zu den absolut nothwendigen Requisiten rechnen. Dürfen wir daraus folgern, daß er von diesen Dichtern gering denkt? Er hält sie nur nicht für so nothwendig wie das liebe Brod. Und so ist auch ein Rabbiner als Lehrer des göttlichen Wortes für jede Gemeinde im höchsten Grade erstrebenswerth °, das wird Hr. vr. Hirschler nicht leugnen; aber wenn die Mittel nicht reichlich fließen, so wird doch zuerst ein Schochet engagirt und mit der Aufnahme eines Rabbinen gewartet. Das lehrt die tägliche Erfahrung und so war es wol zu allen Zeiten in Israel. Hr. Löw citirt nun zwar eine ganze Anzahl von Talmudstelleu, welche erweisen sollen, daß man dem Rabbiner als solchem, als Geistlichen Ehrfurcht erzeugen müsse; aber es wird hierbei das kleine Kunststück angewandt, 21 mit Rabbiner zu übersetzen, während es doch nur ״Lehrer" bedeutet. Der Talmud kennt nur einen Gegensatz zwischen Gelehrten und Ungelehrten; daß die Gelehrten, verlockt von der christlichen Nachbarschaft, als Rabbineu zuweilen hierarchische Gelüste gezeigt haben, soll nicht geleugnet werden; böses Beispiel verdirbt gute Sitten, aber ein ganzes Buch von Citaten — und dies ist inr Wesentlichen das Löw'sche Elaborat — wird den Rabbinen keinen geistlichen Charakter aufdrängen. Geschichte und Leben der Juden protestiren entschieden dagegen. Außerdem stehen natürlich in einem Löw'- scheu Buche noch viele ergötzliche, nicht gerade zur Sache gehörige Dinge. So S. 3l, daß die Preßburger Schule den Tempel in Jerusalem wieder aufbaueu will, aber die Breslauer suche es zu verhindern. Mau sieht hieraus, schreibt Hr. Löw mit gesperrten Lettern und dicker Lchrift, ״wie nahe die Neaktivirung der jüdischen Priest er schaftdar au ist, e in e Zeitfrage zu werd en." Nr. 3 beschäftigt sich mit Hrn. Löw, als Theologen, Historiker, Publieisteu. Der Stoff wird nur in soweit erschöpft, als