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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 11 · p. Seite 508

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 11
Article
Die Kanonicität des Buches Esther in der älteren synagogalen und kirchlichen Literatur
Date
1871-01-01
Page
Seite 508 (sequence 7)
Language
German
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508 Die Kanonicität des Buches Esther nicht eilt einziges Mal enthält, so fiel hierbei die Hanptrücksicht fort. Der Amora Samuel hat deninach in richtiger Wlirdignng dieses Buches ausgesprochen, das Buch Esther verunreinige die Hände nicht, d. h. es dürfe zum Profangebranch benutzt tverden, weil das Buch selbst irichts enthält, was nicht profanifirt werden könnte. Ans der anderen Seite war gerade dieses Buch, das die Errettung Israels van sicherent Untergange erzählt, dem Nationalgefnhl theuer. Alljährlich wurde daraus die Geschichte dieser Errettung öffentlich verlesen. Alle maßgebenden Lehrer erkannten an, daß es vom heiligen Geist geschrieben sei, also die Kanonicität verdiene. Und doch soll es nicht für heilig angesehen werden, gegen die übrigen Hagiographen zurückstehen und die Hände nicht verunreinigen! Diese Jnconsegnenz hält der Talmud Samuel als Widerspruch entgegen, giebt aber eine sehr verständige Distinktion: Der Inhalt des Buches Esther, insofern er öffentlich verlesen wird, ist allerdings heilig, vom heiligen Geiste eingegeben (נאמרה ברוח הקודש?'יקרות), das B n ch selbst dagegen, der materielle T h e i I, Pergament und Schrift, ist nicht heilig, es ist nicht gleich den übrigen Hagiographen ein heiliges Buch, eben iveil es nicht Gottesnainen enthält. (לא נאמרה בתה הקודש ליכחב). Sehr treffend interpretirt Raschi diese Ansicht (Joma p. 29 g): אינה מטמאה את הירים רלאו ספר הוא, d. h. es verunreinigt die Hände deßwegen nicht, weil es an sich nicht ein heiliges Buch ist. Mit einem Worte, diese Samuel'sche Ansicht geht davon aus, daß der Inhalt, wenn auch heilig, doch nicht der Art ist, um auch das Gefäß zu heiligen. Wenn es möglich wäre, sollte der Inhalt ohne Substrat des Buches verlesen werden. Das scheint mir die einzig richtige Auslegung dieser barock klingenden talmudischen Stelle zu sein. Gegen die Kanonicität des In- Haltes des Buches Esther hat demnach keine talmudische Autorität ein Bedenken ausgesprochen, es ist vielniehr zu jeder Zeit, seit dein es in den öffentlichen Gebrauch gekommen ist, von alten Juden hochgestellt worden. Die dominirende Ansicht, ivelche nicht blaß bem Inhalt, sondern auch dein materiellen Buche kailonische Heiligkeit vindicirt, mußte einen fernliegenden, höchst befremdlichen Grund dafür herbeiziehen. Es ist bereits angegeben, daß ein dunkles Gefühl das Purimfest als eine nicht ganz berechtigte Neuerung

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