Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Kanonicität des Buches Esther in der älteren synagogalen und kirchlichen Literatur
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 506 (sequence 5)
- Language
- German
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506 Die Kriwiücität des Buches Esther und das Hohelied in Frage standen, dagegen Esther eben so wenig wie Ruth beanstandet worden sei. ®«rauf wird Samuel's Ansicht: daß E st h e r nicht d i e H ä n d e v e r u n r e i 1t i g e, auf die Arrsicht eines älteren Tanaiten zurliAgeführt, auf die des R. Jostta, ivelcher behauptete, das Purirnfest mit seiner Beziehung sei immerhin eine Neuerung gewesen imb sei im Pentateuch keinesweges angedeirtet, habe keine» Stiitzpunkt darin (wie Andere behauptet haben), und darum habe das Buch Esther nicht volles kanonisches Ansehen. 1 הוא ראטר כר׳ יהושע). Wir Hütten demnach schon zwei respektabele talmndische Autoritäten, R. Josua und Samuel, welche diesenr Buche die kanonische Dignität abgesprochen hätten. Und dennoch haben auch diese zugegeberr, daß es vom heiligen Geiste geschrieben sei, mtx־ daß es nicht, um ausgeschrieben zu werden, vom heiligen Geiste inspirirt sei. (לא נאמרה ברוח הקרש ליכתב). Das ist schlechterdings räthselhaft. Die Lösung dieses Räthsels dürfte aber nicht schwer sein, ivenn man die Eigenheit des Buches Esther genau in's Auge faßt. Es ist rlnter allen Biichern des alten Testamentes das Einzige, welches reicht ein einziges Mal den Rainen Gottes enthält, und überhaupt keinen Z!rg von dem hat, was die Theologen theokratisch nennen. DaS zum Vertilgen bestimmte jüdische Volk wird allerdings gerettet, rvird darirr erzählt, aber nicht durch Gottes Einwirkung, sondern durch den Zufall. Zufall ist es, daß der König Ahasverus der Königin Waschti den Abschied giebt, Zufall, daß schöne Mädchen in allen Ländern gesucht werden, sie zu ersetzen, Zufall, daß Esther als die schöirste befunden, dadurch zur Königin erhoben wird unb dadurch im Stande ist, das Vertilgungsdekret rückgängig zu machen. Zufall ist es endlich, daß Mardochai Kunde von dem Verschwörungsplane gegerr den König erhält, imd dadurch wird die erste Demüthigung Hamans herbeigeführt. Und das Buch, welches diese Dinge in kühl pragmatischer Weise erzählt, ohne auch nur Gottes Fügung dabei anzudeuten, soll heilig, soll oont heiligen Geist inspirirt, soll mit einem Worte kanonisch sein? Conseguent waren die alten Kirchenlehrer, welche das Buch Esther nicht als kanonisch ') S. Raschi's (Mannii! dazu: אבל במגילה לא נתנה ליכתב.