Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Kanonicität des Buches Esther in der älteren synagogalen und kirchlichen Literatur
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 505 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2829132-2829402-2829414-2866228--13796-2866266- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in der altern synagogalen und tirchlichen Literatur. 505 Indessen kommen andere Stellen un Talnutd vor, welche scheinbar ztnn Schlüsse berechtigen, daß der hagiographische Charakter des Brich es Esther non einigen GesetzeSlehrem beanstandet worden wäre, während aitdererseits auf die Eftherrolle eilt sehr starkes Getvicht gelegt zu fein scheint. Diese Stellen sind weder von Bleek, noch votr Andern herangvzogen worden. Der Artsgangspunkt ist die Stelle im babpl. Megilla p. 7. אטר ר׳ יהודה אמר שמואל אסתר אינה מטמאה את הידים : Das Estherbuch verunreinige nicht die Hände, d. h. habe tticht den Charakter der heiligen Schrift gleich den übrigen Hagiographen. Gegen diese!! paradoxen Ausspruch wirft der Talmud selbst eine Frage ans: Sollte der Autor desselben, S amu e l, der Ansicht gewesen sein, daß dieses Buch tticht vorn heiligen Geist inspirirt fei, während er selbst doch anderweitig zugegeben hat, daß es vom heiligen Geist geschrieben sei? .למימרא דסבר שמואל אסתר לאו ברוח הקודש נאמרה והאמר שמואל אסתר ברוח הקודש נאמרה?. Die Ausgleichung, welche daselbst gegebeit ist, klingt unverständlich und befreucdlich: נאמרה ליקרות ולא נאמרה ליבחב; d. h. die Estherrolle ist allerdings int heiligen Geist geschrieben in Bezug auf das Vorlesen, aber uicht in Bezug auf das Nicderschreiben, quoad legendum, sed non quoad scribendum. Die Unverständlichkeit dieser Ausgleichung haben die Tossafisten daselbst klar gelegt, ohne eine befriedigende Lösuttg findett zu können. Auch Krochmal's Erklärung (das.), welcher diese Stelle zum Beweise für seine eigenthümliche Attsicht von der Entstehung und dem Abschluß des Kanons herangezogen hat, ist weit entfernt, das Richtige getroffen zu haben. Er meint, daß weil die Estherrolle nicht zur Zeit der S o p h e r i m, sondern erst später den Hagiographen einwerleibt worden sei, darum sei sie von dem Atitora Samuel niedriger als die übrigen gestellt tvorden. Diese Erklärung läßt aber den Wortsinn des talmudischen Ausgleiches unbeachtet. Auch ist es durchaus unrichtig, daß einige unserer Hagiographen früher, andere später kanonisirt tvorden wären, vieltnehr sind sie zu eitter und derselben Zeit als heilige anerkannt worden (vergl. GraetzKohelet 158fg.). Endlich spricht di c endgültige Lösung des Talmud (das.) gegen Krochtnal's Interpretation. Es wird nämlich gegen Samuel's Ansicht noch ein zweites Argument geltend gemacht, daß nach der Tradition bei dem endgültigen Abschluß des Kanon lediglich Kohelet