Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Elia del Medigo, ein jüdischer Popularphilosoph
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 491 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829402-2829414-2866226--13779-2866252- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Elia bei Mebigo, ein jüdischer Popularphilosöph. 401 Juden, so werden wir schon dies für einen nicht geringen Beweis seiner Denkglänbigkeit ansehen, daß er seine Sätze durch logische Deduktion und nicht durch künstliche mehr oder weniger geistreiche Deutung von Bibelversen und Talinudstellen zu erhärten bestrebt ist. Seine Deduktion ist häufig unzulänglich und abgebrochen; aber wir werden dies nicht gar zu hart beurtheilen, wenn wir bedenken, daß Elia im sieben und dreißigsten Lebensjahre, in einem Lebensalter starb, in welchem für einen alten Römer noch nicht einmal die juvontus aufgehört hatte. Nirgends jedoch vermissen wir bei ihm den Ernst der Wissenschaft, nirgendswo entdecken wir bei ihm das Bestreben, den gedankenlosen Leser zu blenden, statt den denkenden zu überzeugen. Mag einer von der Würde der Philosophie so schlecht denken als er will, nnwillkührlich wird er sie bedauern, wenn er sieht, wie sie, die großen Geister die Königin der Wissenschaften genannt haben, von den dem E. d. M. zeitgenössischen jüdischen Philosophen zu allerhand Knnftstückchen der homiletischen Interpretation gemißbraucht wird, und wenn, was das Schlimmste ist, diese künstlichen Deutungen als Forschung und Wissenschaft feilgeboten werden. Die jüdische Philosophie war ausgegangen von der Bibelexegese, sie ging auch darin unter. Aber Philo und die Talmndisten entschädigen für die falsche Methode durch die Tiefe der Gedanken, die Fülle der Ideen. Wir verzeihen es dem guten Gedanken, wenn er sich auf eine etwas seltsanie Weise bei uns einführt und freuen uns des Besitzes. Wie geistvoll haben nicht besonders die Talmnoisten die erhabenen Anschauungen, die eine spätere Zeit gereift hatte, in das Bibelwort hineingemebt. Aber schon Saadia hat hierin des Guten zu viel gethan; am Schluß des Mittelalters artete es vollends ans; jedes Zeitalter, das arm ist an Ideen, ist reich an frostigem, leerem Witz; arm an neuen Gedanken, arbeiteten sie ihren Witz daran ab, irgend einen alten Gedanken in irgend einen Bibelvers gleichsam hineinzuschmuggeln und waren dann naiv genug, diese unterhaltlichen,