Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Elia del Medigo, ein jüdischer Popularphilosoph
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 489 (sequence 9)
- Language
- German
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Elia bet Medigo, ein jüdischer Poputarphilosoph. 489 mcrl'tcu, — fie hielten es ja dem natürlichen Lauf der Dinge entsprechend, daß die nachgeborenen Geschlechter immer unreifer und untüchtiger werden. Der Baum der Menschheit sei in der herrlichsten und üppigsten und vollendetsten Entfaltung gewesen anr Tage, da er gepflanzt wurde, seit dieser Zeit welke er langsam dahin; sie kannten nicht die Ursachen des Verfalls und hielten ihn für die nothwendige Erfüllung eines Naturgesetzes, während in vielen Fällen sie selbst ihn hervorgerufen hatten. E. d. M. wußte und begriff seine Zeit als ein Glied in der Kette der Jahrhunderte, jedoch er sah mit Betrübniß, wie das Judenthum immer reicher an Zank und Fehde und immer ärmer an großer! fruchtbaren Talenten wurde. In dein Unglauben der Philosophen, in der Starrheit der Strenggläubigen, in der Schwärmerei der Kabbalisten erblickte er die Ursachen des Verfalls, der unaufhörlichen Reibungen und Spaltungen, rvelche die beste Kraft des Volkes verzehrten, und durch versöhnliche Rede rvollte er die Gemuther zusammenführen. Deshalb verleugnet er jedoch nie seine Hinneigung zu philosophischer Auffassung der Religion. Die Agadah ist für ihn nicht bindend, sie hat für ihn keine höhere Autorität als andere Anssprüche bedeutender Männer; nur gegen die Verächter der Agada!nachte er Front und sagt, die, welche die Aussprüche solcher Männer verspotten, seien nicht viel besser, als die Gottesleugner; sie selbst seien verächtlich, weil sie die Weisen verachten, und wiederun! sagt er von denjenigen, welche alles in der Agadah im wörtlichen Sinne auffassen, sie seien nur Menschen der Gattung nach, ohne Individualität und geistiges Vermögen. Es ist eine religiöse Pflicht der Kundigen, nach den Gründen der biblischen Gebote zu forschen; und zwar seien diese Gründe rein ethische; nur müssen!vir bescheiden die Resultate unserer Forschungen nicht als unbedingte Wahrheit, sondern für nichts mehr als das Ergehniß unseres subjektiven Meinens betrachten. Er wisse wohl, fährt er fort, daß die Strenggläubigen ihn deswegen verdammen werden als einen Abtrünnigen; aber