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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 11 · p. Seite 488

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 11
Article
Elia del Medigo, ein jüdischer Popularphilosoph
Date
1871-01-01
Page
Seite 488 (sequence 8)
Language
German
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488 Elia bei Medigo, ein jüdischer Popularphilosoph. beit Werken der Kabbalisten keine neue Gedanken, sondern längstwiderlegte Ansichten alter Philosophen, besonders der Neuplatoniker, welche letztere Behauptung freilich wieder darauf hinführt, das; die Kabbalah älter ist, als der Verfasser zu glauben scheint, da die Neuplatoniker nur im Anfang und zum Schluß des Mittelalters ans die Weltanschauung und Bildung der Zeit entschiedener eingewirkt haben. Elia hat durch diese Angrifse den Fortschritt der Kabbalah nicht zu hemmen vermocht; nichts desto weniger hatten seine Schrift, zumal sie nach dem freilich niemals ganz zuverlässigen Zeugniß seines Epigonen Joseph eine ganz ungewöhnliche Verbreitung gefunden hat, nichts desto weniger hatten seine Schrift und ähnliche andere den ganz unberechenbaren Nutzen, daß sie daran erinnerten, es gäbe noch ein anderes Judenthum als jenes durch die Mystik verkrüppelte und verkümmerte. Diese Schriften sind manchen diplomatischen Protesten vergleichbar; für den Moment sind sie fruchtlos und können den Gang der Ereignisse nicht aufhalten. Zur rechten Zeit aber erinnert man sich ihrer und benutzt sie als Handhabe gegen den Gegner. Daß die soharitische Mystik immer wieder an ihren etwas rnysteriösen Ursprung erinnert wurde, daß sie fort und fort gezwungen wurde, sich gegen die böswillige Verleumdung, welche ihr Herkommen als etwas zweifelhaft darstellte, zu vertheidigen, das hielt die Geister wach und schützte das Judenthum davor, in dein Dunst und Nebel eitler Schwärmerei zu Grunde zu gehen. Weil Elia im ruhigen Tone eines Referenten die Kabbalah bekämpft, hielt sich Joseph del Medigo für berechtigt, seine Gegnerschaft derselben anzuzweifeln, wie jeder unbefangene Leser des Becbinath Hadath zugeben wird, ohne einen erheblichen Grund. Wenn er mild, schonend und ruhig urtheilt und auch verurtheilt, so hat das seinen Grund darin, daß er nicht reizen, sondern versöhnen will. Ihn schuierzte tief und schwer der Jammer und das Elend feiner Zeit. Die große Masse auch der Talmudkundigen merkte kaum den Verfall, und wenn sie ihn

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