Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Elia del Medigo, ein jüdischer Popularphilosoph
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 486 (sequence 6)
- Language
- German
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486 Elia bei Mebigv, ein jüdischer Popularphilosoph. senschaft, die sich wie eine Schlingpflanze um den Stamm der jndischen Religion gewunden und ihn Jahrhunderte lang aller Kraft und aller Frische beraubt hat, 'ihre Blüthe? Der Erstarrung, welche Philosophie und Orthodoxie zugleich in das Judenthum gebracht hatten. Die Philosophen g l a u b t e n st a r r a n d e n A r i st o t e l e s; die Rabbineu starr und ausschließlich an den Talmud; der Geist des Judenthums, wie ihn Jehuda Haleri so prächtig irr seinem religionsphilosophischen Werk zum Ausdruck gebracht hatte, er waltete nirgend. Unfreiheit überall, irn Lager der Denker wie im Lager der Gläubigerr nach grrt nrittelalterlicher Sitte. Jedes Studium bestand hauptsächlich darin, andrer Leute Gedanken noch einmal zu denken. Eigene Gedanken, das war eine verpönte Waare, die keinen Kurs hätte; nran vergaß vollständig, daß nur Selbstdeuken klug inacht; der Verstand war immer thätig; aber er wurde nicht gesättigt mit neuen Anschauurrgen und Ideen und ging bei aller Arbeit leer aus. Was Wrrnder, daß das Genrüth übervoll wurde, und die tieferir Naturen wie Nachmani sich in die Irrgärten der Mystik zurückzogen, in deuerr keine Fesseln einer engherziger! Schule die freie Bewegung hemmten. Die Freiheit iur Reich der Träume schierr vielen begehrenswerther als die Unfreiheit im Gebiet der Gedanken. Jede starre Dognratik, mag sie nun innerhalb der Religion oder innerhalb der Philosophie herrschen, erzerrgt eine überschwängliche Mystik. E. d. M. lebte in einer Zeit, in rvelcher das Ansehen des Aristoteles zu erbleichen begarrn; er selbst bekänrpfte, wie uns berichtet wird, die Ansichten des letzten großen jüdischen Aristotelikers, des Gersonides, weil er ihm zu kiihn an den Grundvesten der tradirten Lehre zu rütteln schien; er hatte die Uebertreibungerr der jüdischen Aristoteliker erfahren, er sah mit Schrecken, zu welchen Verirrungen die Mystik führte; welchen Reiz konnten auf ihn, den genauen Kerrner des Aristoteles und seiner Interpreten sorvie der jüdischeil Religion, die nebelhaften