Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Elia del Medigo, ein jüdischer Popularphilosoph
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 483 (sequence 3)
- Language
- German
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483 Elia bet Mebigo, ein Wischer Popularphilosoph. falsche Originalität, die Denkselbstständigkeit, welche der große Dichter als eiir Narrenthum auf eigene Faust erklärt hat, sich über die Maßen breit gemacht hat. Nach diesem Kanon wollen wir in Folgendenr die religionsphilosophischen Ansichten Elia bei Medigo's, soweit sie im Bechinaih Hadath ״Prüfung der Lehre" niedergelegt sind, charakterisiren und beurtheilen. Der Aussatz, in welchenr E. fr. M. seine Religionsphilosophie vorträgt, hat einen sehr kühnen Titel und einen sehr zahmen Inhalt. Reggio, welcher in einer seiner Ausgabe des Bechinaih Hadath beigefügten Note die prahlerischen und ungehörigen Titel der meisten in den letzten Jahrhunderten herausgegebenen jüdischen Werke rügt und lächerlich macht, dagegen unfern Verfasser wegen feiner nüchternen und sachgemäßen Bezeichnung lobt, hätte wohl daran gethan, sein Lob ein wenig einzuschränken. Die philosophische Kritik der Religion, welche uns der Titel erwarten läßt, ist in der kleinen Arbeit bei Medigo's spärlich anzutresfen. Die Schrift mochte dem Bedürfniß feines Zur Zeit der Veröffeutlichung kaum siebzehn Jahr alten Schülers Saul Cohen genügt ' haben; aber kaum der begeistertste Lobredner E. d. M. wird das Selbstlob unterschreiben, welches sich der Verfasser am Schluß des Werkes giebt, wenn er sagt, wem seine Andeutungen nicht ausreichten, den rvürde auch eine von zehntausend Kameelen getrageue Bücherladung nicht zufrieden stellen. Der umfassende Geist eines Maimonides, der geniale Tiefsinn Chasdai's, Gersonides schlagfertige Kühnheit waren nicht auf den Mann übergegangen, der damals in Italien der von Juden und Christen gefeierte Vertreter der jüdischen Philosophie war. Gar nicht zu reden davon, daß auch nicht ein Bruchtheil der dichterischen Phantasie ihnr geworderr ivar, mit deren Blumen Jbn Gebirol die Abgründe seiner philosophischen Forschung verdeckte. Del Medigo war nach solchen Vorgängern — ein Epigone. In einer Zeit lebend, in welcher das Alte seinen Werth verloren hatte, und das Neue in unklarer, unbestimmter Gestalt sich erst zum Lichte rang,