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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 10 · p. Seite 477

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 10
Article
[Rezension]
Date
1871-01-01
Page
Seite 477 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Recmsionen. 4-77 zur Voraussetzung hat; seine Bedeutung für die Philosophie beruht gerade auf dem Wege, auf welchem er zum Glauben gelangt ist, auf dein Umstande, daß er so viele Fäden der plato- Nischen, der stoischeil Lehre, der neueren Akademie und der jüdischhellenistischen Literatur, welche in Alexandrien und in Palästina ihm voraufging, in seinen Glauben hineingewebt hat. Lewis würdigt diese Bedeutung Philo's, indem er mit markigen Worten sie folgendermaßen darstellt: ״Zwei Punkte verdienen in diesem System besonders Beachtung: 1) die Vereinigung des Platonismus mit orientalischenr Mysticismus. 2) Die ganz neue Richtung, welche die Philosophie nahm, indenr sie sich auf's neue (!) mit der Religion verband. Diese Richtung charakterisirt die Bewegung der alexandrinischen Schule. Es war gezeigt worden, daß die Vernunft völlig unfähig sei, die großen Fragen der Philosophie, die damals aufgeworfen waren, zu lösen; verschiedene Schulen hatten verschiedene Methoden angewandt, aber alle ohne Erfolg. Skepticismus war das Ende aller Anstrengungen. Und doch, sagten die Mystiker, haben wir eine Idee von Gott und seiner Güte, wir haben einen unerlöschlichen Glauben an die Existenz und die Vollkommenheit seines Wesens, folglich an das Wohlwollen seiner Absichten. Und doch sind diese Ideen, nicht angeboren; sonst würden sie gleichförmig von allen Menschen und unter allen Völkern gehegt werden. Wenn sie aber nicht angeboren sind, woher entspringen sie dann? nicht ans der Vernunft, nicht aus der Erfahrung, sondern aus dem Glauben." Und nun wendet sich der Autor in scharfer Rede gegen die Meinung, als seien Lehren wie die Philonischen unter die Philosophie zu rubriciren und wird dabei dem entscheidenden Verdienst Philo's nicht gerecht. Dies besteht darin, daß er die Lehre des Judenthunrs in ein gedankliches System gebracht hat, er war der erste Neligionsphilosoph von Belang. Die Vernunft aus dem Gebiet der Religion hinausjagen, ist absurd; nicht Alles, was sich durch Vernunftgründe nicht strikt erweisen läßt, steht auf einer Stufe; uicht bei jeder Lehre ist selbst der gläubige Sinn zum Glauben gleich empfänglich; schon dieser Umstand beweist, daß Vernunft ein Wörtchen mit drein zu reden hat. Dieses Entweder — oder des Vers., entweder die Vernunft, ist Herrin, oder sie ist nichtig, acceptiren wir uicht. Die Vernunft

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