Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 10
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 476 (sequence 6)
- Language
- German
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476 Recensionen. einem Beispiel. Die Quintessenz ist folgende. Wenn ein Mann mit der subjektiven Methode, der noch keine Uhren kennt (also sagen wir Plato) und ein Naturforscher in die Küche einer Hütte träten, wo eine Wanduhr tickt, so würde der erstere dieselbe für ein Thier, und das Ticken für Athmen und das Schlagen für Zürnen halten. Der andere aber würde geschwind den ganzen Zusammenhang errathen. Vor Lewes finden, wie man sich denken kann, sonach sogar die ersten Philosophen des Alterthums keine Gnade; nicht als ob dieser glänzende und ideenreiche Schriftsteller blind wäre gegen die großen Eigenschaften, welche einen Plato oder Aristoteles zu Lehrern der Welt gernacht haben; aber in ihrem innersten Kern und Wesen läßt er sie nicht gelten; er beurtheilt sie zu subjektiv von! Standpunkt der objektiven Methode, die nur eine äußere und keine innere Erfahrrrng kennt. Noch viel weniger kommt ein Denker wie Philo bei ihin zu. seinein Rechte. Eigentlich müßte er ganz aus der Reihe der Philosophen gestrichen werden; und so macht es Lewes nach den! Vorgänge Zellers mit dem ganzen Gnosticismns; aber dann fehlte ja jede Brücke zu den Neuplatonikern. In der That, wer Philo nur zu dem Zwecke studirt, um Antwort auf philosophische Probleme zu erhalten, der möchte wohl vom Ertrage seiner Arbeit sich enttäuscht sehen; aber es scheint uns ein würdiger Gegenstand der Wissenschaft, den menschlichen Geist in seinen verschiedenen Phasen zu beobachten und den geschichtlichen Prozeß der nach Erkenntniß ringenden Menschheit, soweit sie sich diesen höchsten Fragen zuwendet, darzustellen. In diesem Sinne wird in Deutschland Geschichte der Philosophie geschrieben, und Philo verdient in einer solchen Darstellung eine hervorragende Stelle, da er, wie allbekannt, außerordentlich auf die philosophischen Bestrebungen der folgenden Jahrhunderte eingewirkt hat. Während in Paulus Judenthum und Hellenismus das Christenthum erzengen, bilden dieselben geistigen Elemente in Philo den Neuplatonismus, den Religionsrivalen des Christenthums in den ersten vier Jahrhunderten seines Bestehens. Lewes nennt mit Recht Philo's Philosophie eine Theologie, in sofern er den Glauben als das Grundvermögen der Erkenntniß faßt; aber diese Theologie ist von der Philosophie durchtränkt, weil sie bei Philo das Studium aller jener zur Skepsis führender Systeme der Griechen