Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 10
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 474 (sequence 4)
- Language
- German
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474 Re censionen. noch der Philosophie ein Unterkommen fiuben itnb sie in dem ersten Reich der Fachwissenschaft mol Niemand sucht? Nun, gerade in dem letztem sind sie von August Comte nach dem Vorgange von Hobbes mib nach den Andeutrurgen Bakons einguartiert worden, d. h. eine Wissenschaft, deren Grundlage die menschliche Freiheit ist, wird mit Diseiplinen znsamuwngekettet. tu deren Gebiet die Nothwendigkest herrscht. Lewes giebt auch noch eine andere ©eftnitiou der Philosophie, iubem er sagt, sie sei ״eine Doktrin, welche eine Erklärung der Welt und der menschlichen Bestimmung enthält," d. h. sie erklärt Alles und noch etwas, denn Welt ist jawol der unpassendste Begriff, den wir kennen, und ebenso umfassend als unbestimmt. Denn Welt bedeutet im gewöhnlichen Sprachgebrauch der Komplex aller Dinge, welche existiren, und wir jutb inrUngewissen, ob Lewes von den Dingen oder nur von den Erscheinungen redet, abgesehen davon, daß in dieser Definition, die freilich der Vers, später abschwächt, die Philosophie alle Fachwissenschaft verschlingt. Nach diesen Auseiuandersetzungen schildert der Vers, mit dein Glanz der Darstellung, der ihm eigen ist, wie die Theologie, die zuerst absolut und autokratisch gewesen ist, nach und nach von allen wissenschastlichen Gebieten ausgeschlossen worden sei. ״Die Geschichte zeigt eine merkwürdige Umkehr in der Anbeguemnng. Gerade wie früher die Wissenschaft geuotfngt war, sich den Ansichten der Theologie anzubequemen, wenn auch noch so sehr auf Kosten ihrer Folgerichtigkeit, wenn auch noch mit so sophistischen Ausflüchten, so sieht die Theologie sich jetzt genöthigt, ihre Aussprüche den Ergebnissen der Wissenschaften anzubequemen und den Sinn ihrer Worte vollständig z-n verdrehen.." Diese Sätze sind wenig schmeichelhaft, und es ist ein Trost für die jüdische Theologie, daß sie mm denselben nicht getroffen unrb, daß ihre Vergangenheit ebenso frei von Herrsä-sucht war, wie ihre Gegenwart frei ist voll der Lust-zu täuschen, um es mit den Meinrurgen des Tages nicht zu verderben. ״Der Konflikt zwischen der Theologie und der Wissenschaft war unvermeidlich"; beim sie haben beide verschiedene Methoden, die erstere die subjektive, die letztere die objektive, und hierbei ist zu bemerkerr, daß Herr Lewes nichts einzuwenden hätte, wenn wir irr diesen: Falle statt subjektiv unvernunftig und statt objektiv vernünftig sagen würden. Dennoch