Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 10
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 473 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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Recensionen. 473 Schlüssel zur höchsten Wahrheit besitzen will, so macht sie doch nicht mehr den Anspruch über die untergeordnete Wahrheit zu entscheiden, sondern gesteht ihre Unfähigkeit, wirksame Methoden für die Forschung und brauchbare Thatsachen für die Erkenntniß an die Hand zu geben. Sie beschränkt sich ans das Gebiet des Glaubens und überläßt der Philosophie und der Fachwissenschaft das Gebiet der Forschung. Sie beschäftigt sich hauptsächlich auf dem Felde des Gemüths; ihre Aufgabe ist die Systematisirung unserer religiösen Vorstellungen/' Lewes, der scharfe Logiker, läßt, wie es scheint, hier die Theologie Zugeständnisse machen, die mit den Attributen, welche er ihr zuertheilt, in Widerspruch stehen- Die Theologie gesteht ihre Unfähigkeit, in der Forschung wirksaurer Methoden und der Erkenntniß brauchbarer Thatsachen zu liefern. Aber dieses Geständniß kann sich nicht auf jede Forschung und Erkenntniß beziehen; denn indem sie sich der ihr von Lewes gestellten Aufgabe unterzieht ״die religiösen Vorstellungen zu systematisiren," so bedarf sie sicherlich sowohl einer Methode, als auch brauchbarer Thatsachen, und sie gehört zum ״geistigen Triumvirat," indem sie unfern Geist mit diesen Dingen bereichert. Nur wer die religiösen Vorstellrmgen überhaupt als ״unbrauchbar" ansieht, kann sagen, daß die Theologie weder Forschung, noch Erkenntniß fördert; dann aber ist die Systematisirung unserer religiösen Vorstellungen ein über alle Maßen nutzloses Geschäft, und es wäre von diesem Standpunkt aus eine leere Spielerei von der Theologie als einer geistigen Macht und noch obendrein in erster Reihe zu reden. Das Geschäft der Fach- Wissenschaft ist ״die Systematisirung unserer Kenntniß von der Ordnung der Phänomene als Phänomene." Das Geschäft der Philosophie ״die Systematisirung der Begriffe, welche die Theologie und Fachwissenschaft ihr darbieten". Aber warum sollen denn diese letzteren einer dritten etwas darbieten was sie selbst verarbeiten können? Geübt im Systematisiren — denn das ist ihr einziger Beruf — d. h. nach Lewes im Gestalten der einzelnen Erscheinungen zu Gattungsbegriffen, warum sollten sie plötzlich anfhören und bei einem gewissen Punkte der Philosophie das Scepter übergeben? Man könnte vielleicht auch fragen, wo bleibt bei dieser Eintheilung die Ethik und alle mit ihr zusammenhängenden Disciplinen, da sie weder im Revier der Theologie,