Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 10
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 472 (sequence 2)
- Language
- German
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472 ülecenftonen. Bakon sein novum organon geschrieben hat. Beide Werke haben nur einen Werth vom Standpunkt der Theorie, als ein sich Bewußtwerden des Verstandes über die Operationen, welche er vollzieht. Nur der Philosoph kann Bakon Dank wissen für ein Werk, daß dieser selbst von seinem Standpunkt aus folgerichtig der winzigsten politischen Erfindung hätte nachsetzen müssen. Dieser geschichtliche durch Bakon repräsentirte Vorgang erneut sich, wie gesagt, in unfern Tagen, und in vorderster Reihe Derer, die mit ihren eigenen Waffen die Philosophie bekämpfen, steht Lewes. Er steht, wenn wir auf seine literarische Thätigkeit blicken, weit mehr im Dienste der theoretischen Wissenschaften, als der Physik, dennoch will er nur ein Pionier der letzter» sein. Seine Geschichte der Philosophie, die uns eben in deutscher Bearbeitung vorliegt, hatte ihren Ursprung, wie er selbst angiebt ״in der Absicht die englische Jugend vor der Verschwendung ihrer Kraft an unlösbare Probleme und vor dem Vertrauen auf eine falsche Methode zu warnen." Er stellt als Motto an die Spitze folgendes Wort von Fechner: ״Gelänge es mir mit meiner -Darstellnng der Philosophie auch nur eine Seele abzustreiten, die sich mit ihr in jene dunkle Tiefe der Betrachtung verloren geben will, wo Alles nur Heulen und Zähneklappern und Jeder wider den Andern ist, so würde ich schon glauben, etwas geleistet zu haben." Aber wie es in jenem Schiller'schen Distichon, wo sich Jemand über den Streit der Parteien ereifert, heißt: aber unsere Partei freilich versteht sich von selbst, so ist auch hier von der allgemeinen Verdammniß ein System ausgenommen, oder vielmehr um seinetwillen wird diese Verdammniß ausgesprochen; das ist pkilosopkio Positivs von Auguste Comte, einein Denker, der durch Twesten und Dühring in Deutschland auch in weitereil Kreisen bekannt geworden ist. Lewes beginnt sein Buch mit denl Satze: Theologie, Philosophie, und Fachwissenschaften, unser geistiges Triumvirat. ״Der Wirkungskreis der Theologie wird jetzt gewöhnlich als verschieden von dem der Philosophie und der Fachwissenschaft anerkannt. Daß ihr alter Anspruch auf Herrschaft über alle Zweige der Forschung unhaltbar sei, ist lange gefühlt worden, und sie hat diesen Allspruch offen aufgegeben; (was allerdings Lewes seiner anglikanischen Kirche mehr einredet, denn daß sie wirklich freiivillig abdicirt hätte.) Obgleich sie die