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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 10 · p. Seite 452

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 10
Article
Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaimperiode
Date
1871-01-01
Page
Seite 452 (sequence 4)
Language
German
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452 V eranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und dankens darstellt, schließt die Voraussetzung eines planlosen und zufälligen Zustandekommens derselben aus. Ohne Zweifel hat der Sammler, bewußt oder unbewußt, den tauaitischen Saminlungen, deren Beschaffenheit sich wohl durch die ganze Amoraim- Periode hin in der Erinnerung erhalten hat, nicht nur den Namen, sondern auch den Vertheilungsplan entlehnt. In den Umständen und Verhältnissen der Zeit, in der unsere Sauunüuigen veranstaltet worden, wird man vergeblich nach einem Motive zu einer solchen ursprünglichen Arbeit suchen. Unsere Voraussetzung wird also, wenn auch nur indirekt, bestätigt. Denn, kann man mit Recht von der Beschaffenheit der unter den bewußten Namen existirenden Sammlungen auf ihre Muster schließen, so möchte - es keinem Zweifel unterliegen, daß die in der literar-historischen Notiz von dem zuverlässigen R. Jochanan (Synhedrin ff. s) genannten Saurmlungen, Tosephtha, Sifra und Sifre, mit dem besprochenen Zwecke und in der gedachten Weise veranstaltet worden sind. Nun berichtet derselbe Amora (ibid.), daß die in diesen Sanunlungen vorkommenden Stellen mit kategorischer Gesetzesform beziehungsweise von N. Me'lr, N. Juda und R. Nechemja herrühren. Ferner bemerkt er ausdrücklich (ibid.), daß diese Tanaiten, alle Jünger des R. Akiba, bei ihrer gänzlichen oder theilweisen Umarbeitung der von diesen angefaugenen Redaktion des Halachahstoffes ihn zum Muster geuommeu haben und ihn! gefolgt sein (1 ואליבא דר׳ עקיבא). Hat mau demnach in dieser Notiz nicht das Zeugniß, daß R. Akiba, in richtiger und voller Würdigung seiner Zeit, den Grund zu den gedachten Sammlungen gelegt hat? Die Richtigleit dieses Schlusses wird noch von einer andern Seite und in direkter Weise bestätigt. Wir meinen nämlich jene merkwürdige Charakteristik der Bedeutung R. Akiba's, die in einer alten Quelle (Aboth di R. Nathan, von Raschi zur Beleuchtung der in literarhistorischer Beziehung so wichtigen Boraitha 1) So viel uns bekannt, hat Frankel zuerst an unserer Stelle ואליבא im gedachten Sinne genommen. In dieser Bedeutung kommt אליבא zwar selten, doch nicht so selten vor, als es den Anschein hat. Von sprachlicher Seite läßt sich gegen diese Bedeutung nichts einwenden; ob sie aber sonst stichhaltig sei, hierüber weiter unten.

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