Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaimperiode
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 451 (sequence 3)
- Language
- German
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halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaimperiode. 4SI zum Hauptfactor. Die Diskussionen enthielten also ein Element, ׳ das eine compendiarische Sammlung nicht als untergeordneten Theil mit andern Elementen verschmelzen durfte. Sie mußte nothwendig die Exegese ebenso als den logischen Theil berückfichtigen. Sie mußte daher in zwei besondere Sammlungen zerfallen, nämlich in eine exegetische und eine logische. Zieht man nun noch die codificatorische Seite in Betracht, so erforderte der damalige Stand der Halachah die Lösung einer dreifachen Aufgabe, nämlich die Veranstaltung einer codisicatorischen, einer logischen und einer exegetischen Sammlurig, also eine Sammlung mehr als am Abschluß der zweiten Periode. Die Frage ist nun, entspricht die Oekonomie der damals veranstalteten Sammlungen diesen vorausgesetzten Bedingungen? Wäre die bisherige allgemeine Annahme richtig, daß die vorliegenden Sammlungen, Mischnah, Tosephtha, Sifra und Sifre, mit Ausnahme einiger, allerdings bedeutender Zusatzpartieu aus späterer Zeit, aus der Tannaimperiode herrühren; so würden wir keinen Augenblick Anstand nehmen, die Frage entschieden zu bejahen. Denn, es ist deutlich, die Mischnah hat einen codificatorischen Character, die Tosephtah, obschon in vieler Beziehung der Mischnah ähnlich, trägt den unverkennbaren Stempel eines gedrängten Auszuges aus ben logisch begründenden Elementen der tannaitischen Diskussionen, die den Hintergrund der mischnaischeu Halachoth bilden, während endlich in Sifra und Sifre die exegetische Grundlage jener, nänilich die exegetischen Elemente jener Diskussionen niedergelegt sind. Die besprochene Annahme ist aber nicht richtig. Mit Ausnahme der Mischnah, deren Abschluß unstreitig in die Uebergangszeit der tannaitischen und amoraischen Periode fällt, reicht das Alter keiner der andern, unter den eben erwähnten Namen vorhandenen Sammlungen höher als die Abfassungszeit des babylonischen Talmud hinauf. Es ist sehr zu bezweifeln, ob selbst die Grundelemente in ihrer primitiven, tanaitischen Struktur in diesen Samnilungen aufbewahrt sind; obschon nicht in Abrede gestellt werden kann, daß sie viele Bestandtheile aus den ersten Redaktionen enthalten. Indessen ganz ohne Werth für unsere Frage sind diese Sammlungen nicht. Der entschieden ausgeprägte Charakter jeder derselbeu, deren gegenseitiges Verhältniß die Verwirklichung des oben entwickelten Ge- 29*