Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaimperiode
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 450 (sequence 2)
- Language
- German
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4 50 Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und N. Akiba in der eben erwähnten ungünstigen Zeit den Grnnd zu einer mehrgliedrigen Sammlung legte. Bringt man diese ' Sammlung mit dem beschriebenen Zustande in Verbindung, so ergiebt sich, daß die Motive §11 jenen Sammlungen in diesem liegen oder, mit andern Worten, daß die Sammlungen mit der bestimniten Absicht unternommen worden, dem vorhandenen Bedürfnisse entgegen zu kommen. Es ist wahr, so ohne Weiteres läßt sich von dem Vorhandensein eines Bedürmißes auf die Fühlbarkeit, noch weniger aus ein zweckmäßig sich bethätigendes Streben nach Befriedigung desselben kein Schluß ziehen. Hat es ja in der zweiten Periode der Halachahentwickelung mehrerer Jahrhunderte bedurft, ehe das relativ schon früh erwachte gleiche Bedürfniß befriedigt wurde. Man setzte aber vorläufig das jedenfalls nicht unmögliche Factum als Wirklichkeit; hierzu berechtigen gewissermaßen schon die talmudischen Berichte über die Genialität R. Akiba's . Wie hätten dann die Sammlungen beschaffen sein müssen, wenn sie in derselben Weise als später die Alfasi-Maimunischen Werke ihre Aufgabe lösen wollten? Ge-!rügten am Ende der zweiten Periode zwei Sammlungen, eine codificatorische und eine die Talmuddisküssionen irr deutlichen Umrissen wiedergebende, so reichten in dem in Rede stehenden Zeitpunkte solche Zusamnrenstellnngen rricht aus. Man verliere nicht einen Hauptunrstand aus dem Auge. Die Talmuddiskussionen haben Mischnah und Boraithoth zu ihrem Ausgangspunkte, ihren Kern bilden logische Folgerungen; das Bibelwort hingegen hatte nicht den mindesten Einfluß auf die Lösung der die Emoraim beschäftigenden Fragen. Die Herbeiziehung biblischer Stellen in ihre Erörterungen spielt eine sehr untergeordnete Rolle. Man fand es eberr interessant, zu ermitteln, auf welches Bibelwort diese oder jene tanaitische Halachah zurückgeführt werden könnte. Mit einem Worte, Mischnah und Boraitoth hatten die Grundquelle in den Hintergrund gedrängt. Eine compendiarische Quellensammlung nach Abschluß des Talmud entsprach daher ganz ihrem Ziele, wenn sie, wie dies im Alfasi'schen Werke geschieht, das Bibelwort in eben den! Verhältnisse, als der Talmud berücksichtigte. Anders verhält es sich hingegen in dem gedachten Zeitpunkte der ersten Periode. Den tanaitischen Halachoth- Ermittlungen diente, neben logischer Beweisführung, Exegese