Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 9
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 431 (sequence 5)
- Language
- German
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Recensionm. 431 logie wäre nicht herausznbringen. Denn dort in Judäa wollte die Nation von einer gewaltigen religiösen Strömung getragen, jedes einzelne ihrer Glieder in Priestergewand hüllen; dein! Beginn der neuen Zeit hingegen waren es entschieden antikirchliche Elemente, war es das Bewußtsein, daß die Kirche sich in Dinge hineinmischte, die sie nichts angingen, und keineswegs der Wille alle Welt in Mönchskutten zu stecken, welche die Reform«- tion vorbereiteten. Es war ein Uebersprndeln des religiösen Geistes, welchem das Pharisäerthnm, das Christenthum seinen Ursprung verdankt; dieser Ueberfluthuug, welche mehr als ein Jahrtausend dauerte und alle Wissenschaft bedeckte, folgte die Ebbe; der menschliche Geist wollte von nun an von der Religion sich führen, aber nicht sich fesseln lassen. Wie kann man zwei so grundverschiedene Epochen auch nur vergleichen? Wie kann man vollends eine ursächliche Beziehung annehmen und auf die Frage nach Beweisen rhetorisch antworten? ״Wer kennt die geistigen Fäden, wie sie sich verschlingen in tiefer Verborgenheit, um mit einem Mal dann sichtbar hervorzutreten in die Erscheinung?" Sehr wahr ist dieser Satz, aber die Geschichte kann nur mit den Daten wirthschaften, die wir kennen. Ein noch mehr treffendes Beispiel, wie das Bestreben, seinen Vortrag durch geistreiche Diatriben zu schmücken, den Autor zuweilen in die Irre führt, ist folgendes: S. 10 heißt es: So hat das Indenthuni später in Spanien mit inniger Glnth an das Vaterland sich geknüpft, an den geistigen Bewegungen desselben einen fördernden und veredelnden Antheil genommen, so daß es die Erinnerung an Land und Volk, das dann mit blinder Glaubenswuth über es herfiel, noch immer nicht verwischen konnte (!) und noch festhält. Und S. 81. ״Der Jude war im Mittelalter ein Fremder auf dem Gebiete, das er aubaute; er selbst betrachtete sich gleichfalls als einen Wanderer, der nur seinen zeitweiligen Aufenthalt in diesen! Lande habe, er blickte mit idealer Sehnsucht nach einer fernen längst vergessenen Heimath." Jedoch das Buch wird auch in dieser Gestalt nicht ohne Nutzen wirken; da es auf den Anspruch verzichtet, die Wissenschaft zu bereichern, da es vielmehr an die große Masse sich wendet, um dieser längst Bekanntes zu vermitteln, so liegt es außerhalb der Tendenz dieser Zeitschrift, sich ausführlich mit den