Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 9
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 429 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Recenstonen. 429 fach dadurch, daß er nach Art flüchtig schauender Touristen eine momentane Erfahrung geueralisirte. Unser 9111101', ein Tourist auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte, fliegt durch das dreizehnte Jahrhundert und findet da eine sehr frappante Analogie zwischen der jüdischen und christlichen Theologenwelt. Flugs macht er es wie der Reisende, der einst nach einer großen Stadt kam, deren Bevölkerung von einem außerordentlichen Feste gelockt, in's Freie gegangen war. Er findet nur Kranke, Greise und ganz kleine Kinder und schreibt ruhig in feilt Notizbuch: dieser Ort ist ein großes Hospital, von Schwindsüchtigen, Greiseil und jungen Kindern bewohnt. So generalisirt der Hr. Vers, eine einzelne sehr richtige Wahrnehmung zu einem Satze, der uns dem Gelachter unserer Gegner preisgiebt. Denn das ist richtig, beim Beginne des dreizehnten Jahrhunderts schwindet dem Mittelalter sowohl unter Inden als Christen der naive Glaube an sich selbst, die ganze und geschlossene Haltung, sie uns auch für dieses Zeitalter, so unheimlich und fremdartig uns auch die katholische Kirche anblickt, Bewunderung abzwingt. Die neuen Ideen waren in die Kirche eingezogeu, anfangs hielten sie sich bescheiden im Hintergrund; aber bald versuchten die Gäste den Wirth aus dein Hause zu jagen; dieser setzte sich zur Wehr und der Kampf begann, der no.h bis auf den heutigen Tag unausgekämpfte. Die ״Braut Christi" wollte sich auch mit den Rosen der Kunst, der Dichtung, der Weisheit schmücken, aber die Dornen, die an ihnen hingen, stachen ihr den Busen wund. Die Scholastik hatte sich, nur schwach angeseindet, immer mehr und mehr ausgebildet; da begann der Aristotelismus hier wie dort ungeduldig an dem Joche zu rütteln, dem er sich bisher geduldig gefügt hatte und da er immer wilder wurde, so faßten die Herren Theologen den Entschluß, das störrige Roß ganz auszuspannen und das Geführt der Kirche ohne seine Hilfe vorwärts zu bringen. Die starke Ausprägung des Gegensatzes zwischen Glauben und Wissen macht sich in der Synagoge nach dein Tode Maimnni's uild in der Kirche am Schluffe der Kreuzzüge bemerkbar; aber' während das Christenthum, begünstigt durch die Berührung mit allen Elementen der Kultur schon am Anfang des sechszehnten Jahrhunderts durch die theilweise Niederwerfung der päpstlichen Hierarchie einen Sieg der mündig gewordenen Wissenschaft zu