Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaimperiode
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 420 (sequence 5)
- Language
- German
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420 Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und gerr liegt unbedingt etwas Anderes zu Gnmde. Die strenge Causeguenz, wannt die Ueberlieferungsträger an deil widersprecheilden Halachoth als nornlgebenden festhielten, zivaug die Redaktioll sie iu die Sammlung aufzuuehmen, auf dieselbe Weise, wie mau dies eben bei der Redaktion des Talucud wahrgeuommen hat. Und ivie diese durch die Ordnllngslveise die etwaigen Folgen unrichtiger Lösungen paralysirt hat, so beugt die Mischnahredaktion bem Einflüße der von ihr nicht anerkanilteil Halachoth auf direktem Wege vor. Sie läßt nämlich auf solche Mischnajoth gewöhitlich eine Reihe entgegengesetzter Halachoth und in einer solchen Fassung folgen, daß ihre Ansicht über die streitigen Frageit nicht zweifelhaft fein kann. Hieraus ergiebt sich nun, daß der erste taiuraitische Zeitabschnitt tiicht nur in eitlem Hauptpunkte, in seiner Schlußbeschaffenheit, der Emoraimperiode ähillich ist, sondern auch daß er ttnstreitig einige charakteristische Züge besitzt, die seine Aehnlichkeit überhaupt mit der erwühilten Periode rmztveideutig darthlln. Ist es nun geivagt, die Consequenz zu zieheir, daß dieselbell Ursachen, die in der Emorainrperiode thätig ivarell, auch in ilnserm Zeitabschnitte gewirkt haben? Die Annahme gleicher Ursächlichkeit kann nicht bloß als Hypothese betrachtet werden. Sie ist vielmehr in dein historisch feststehenden Factum begründet, daß die Geisteslhätigkeit des zweiten tannaitischen Zeitabschnittes der ganz eiltspricht, die, zivar »licht zeitlich doch begrifflich, auf die Emoraimperiode folgt. Die abrnndende und abschließende Thätigkeit hält ebenso die letzten Tannaiingeschlechter als Alfasi und Maimuni beschäftigt. Eine solche Thätigkeit aber entsteht »licht vxplötzlich, sondern ist ein nothwendiger Allsfluß einer Eiltivickelungsreihe. Nun femiett ivir, in so fern es die Emora!mperiode betrifft, die Beschaffenheit dieser Eutivickelungreihe in ihren wesentlichen Zügen. Auch steht die Aehnlichkeit dieser Periode mit dem ersten tamlaitischen Zeitabschnitte unzweifelhaft fest. Es hieße nun die kritische Vorsicht und Bedachtsamkeit zu lveit treiben, wollte man jetzt noch Allstand nehmen, in dem Bilde, in bem sich die Verhältnisse einer Zeit so klar abspiegelil, auch eine treue Zeichnung der Verhältnisse einer, jener so ähnlicheil Zeit zu erblicken. Steht nun einmal fest, daß der Entwickekungsgallg des er-