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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 9 · p. Seite 419

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 9
Article
Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaimperiode
Date
1871-01-01
Page
Seite 419 (sequence 4)
Language
German
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halachisch-exegetischen Sammlungen wahrend der Tannaimperiode 419 die Verhältnisse, die dem Abschlüsse des ersten tannaitischen Zeitadschnittes vorhergehen, denen ähnlich sind, die den beschriebenen Abschluß der Emoraimperiode vorbereitet haben? Man braucht sich nur einiger der oben besprochenen Punkte zu erinnern, um diese Frage bejahend zu beantworten. Auch die in der Mischnah erhaltenen ursprünglichen Bruchstücke aus dern ersten Zeitabschnitte zeigen Abweichungen, wie sie in der Talmudliteratur Vorkommen. Und diese Abweichungen sind es ja, die so viel zum riehtigen Einblicke in die wahren Verhältnisse der Emoraimperiode beitragen. Wenn wir hier allein die relativ winzigen, niischnaitischeu und nicht auch die sehr zahlreichen Bestandtheile der Boraitoth in Betracht ziehen, so geschieht dies, weil derartige Abweichnngen in Boraitoth leicht auf Rechnung der emoraischen Uebertieferer gesetzt werden könnten. Und um so mehr würde diese Erklärung eine feste Stütze finden, als eine Vergleichung unserer Tosephtha mit den entsprechenden Boraitoth, eine ununterbrochene Reihe von Abweichungen wahrnimmt. Am sichersten ist es daher bei Verfolgung des gedachten Zieles sich allein ans den Mischnahtext zu berufen, der schon während des zweiten Emorageschlechtes eine solche Fertigkeit hatte, daß er, trotz den häufig von Emoraim vorgeschlagenen Emendationen, keine nennenswerthe Veränderung erfahren hat. Die bewußten Abweichungen nun, die in der Mischnah Vorkommen, bilden, verglichen mit denen im Talmud, eine verschwindende Anzahl. Die innern Widerspräche aber sind, im Verhältniß zu der relativen Winzigkeit des Gesammtmaterials viel bedeutender. Gar manche Mischnajoth stehen außer altem Zusammenhang mit dem Ganzen. In vielen solchen Fällen sind die Spuren von Halachoth bemerkbar, die vormals von gesetzesgültiger Kraft, im Verlaufe der Zeit außer Kraft gesetzt worden waren. Ihre frühere Autorität hatte ihnen in den frühern Mischnahsammlungen Aufnahme und Bürgerrecht verschafft. Dieser Umstand wirkte so lange nach, daß die letzte Redaktion es nicht,vagen durfte, diese Elemente auszuscheiden. Im Talmud wird eine solche Erscheinung mit der Phrase משנה ראשונה לא ווה ממקומה bezeichnet. Es sind aber auch sehr viele Fälle, wo die Unvereinbarkeit einzelner Mischnajoth mit der Haltaug der übrigen stoffvermandten in derselben Gruppe nicht auf diesen Umstand zurückgeführt werden kann. Solchen Erscheinun- 27*

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