Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Beiträge zur Geschichte der letzten gaonäischen Zeit und zur Kritik der karäischen Propaganda
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 410 (sequence 5)
- Language
- German
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410 Beiträge zur Geschichte der letzten gaonäischen Zeit Gründen entstanden ist. Erst allmählich scheint der Gegensatz ein priucipieller geworden zu sein, nämlich in 'dem Sinne, daß die Babylonier ihren wohlgegliederten, durch die Thätigkeit der Saburäer faßlicher gewordenen Talmud als die Norm für die Praxis ansehen, während die Palästinenser, deren Talmud, wie Frankel nachweist, seine Entstehung ans Compendien nicht verleugnet, und niemals die wohlthätige Hand redigirender Saburäer erfahren hat, wohl die '"dt מעשיכם לבני zu ihrer Richtschnur genommen hatten.l) Der gegenseitige Verkehr zwischen Palästina und Babylonien, welcher im 2., 3. und in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts für beide Gruppen heilsam und fruchtbringend gewesen war, gerieth ins Stocken, als die politischen Mißgeschicke der palästinenfischen Juden jede selbstthätige Geistesrichtung bei ihnen gestört hatten. Aber auch in Babel folgten bald schlimme Zeiten. Die Verfolgungen unter Kobad lähmten auch in Babylon die geistige Productivität. Von da ab war eine jede Gruppe einzig und allein auf sich angewiesen. Nun trat in Babylonien durch die Eroberungen des Islam ein Umschwung der Verhältnisse ein. Das materielle wie das geistige Leben wird wieder rege. Die beiden Hochschulen wetteifern mit einander in der Ausbildung tüchtiger Schüler. In Palästina hingegen wird nichts Neues mehr geschaffen; und von älteren Materien selbst ist auch nur die Agada tm Stande, das Interesse zu fesseln. Für die Praxis werden bald Codices in leicht faßlicher Sprache geschaffen; denn man versenkt sich sehr ungern in die Tiefen des Talmuds, weil man zu kraftlos ist, bis auf den Grund zu dringen, die Perlen zu sammeln und wohlbehalten an's Tageslicht zu fördern. Was haben in besserer Zeit Maimonides und Jakob b. Ascher durch ihre Codices bewirkt? Nicht eine Verknöcherung des Geistes, ') Ueber diese מעשים לבני ארץ ישראל vgl. Rappoport Biographie Anm. 16, der eine Stelle aus einem Resp. R. Hais, angeführt in ם המכריע unter Nr. 36, citirt, ans der hervorgeht, das; er gehört habe, R. Simon Kaira habe in seinen Halachoth an einer Stelle die "מעשים לבני אי benutzt. Vielleicht sind auch die הלכות קצובות רבני מערבא im Halachoth gedoloth aus diesen מעשים geschöpft? Vergl. auch Graetz Geschichte V, Note 2. Ueber ממכת מומרים sprechen wir noch weiter.