Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Inquisitionsverfahren gegen die Juden in Bologna im Jahre 1568
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 380 (sequence 3)
- Language
- German
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380 Jnquisitionsverfahren gegen die Juden in Bologna im Jahre 1568. AuchJsmael Chanina, einem Mitglied des Rabbinats von Ferrara und Lehrer des Kabbalisten Menahem Asaria da Fauo, wurden, nachdem er einige Zeit im Kerker zugebracht hat, dieselben oder ähnliche Fragen von dem Cunvertiten Alessaudro vorgelegt, und er wurde mit der Folter bedroht, falls er nicht eingestehen sollte, daß diese oder jene Aeuszerung der Juden, dieser oder jener Ausspruch im Talmud eine Blasphemie gegen das Christenthum enthalte. Die Fragen waren 1) ob die Christen im talmudischen Sinne als Götzendiener anzusehen seien, da sie einen Menschen als Gott verehren. 2) Was der Ausdruck משומד bedeute. 3) Welche Bedeutung die Formel gegen die Minim 1 in den 18 Benedictionen und der Ausdruck pp? מלכות habe. 4) Ob die Juden die Kirche ,-!!22 und das Kreuz צלם nennen. 5) Ueber die Ausdrücke תרפום und 6 .גלח) Ans welchem Grunde die Juden den katholischen Heiligen das Wort ק (statt San) vorsetzen ען פיטרי ,ען פאוולו, ob sie nicht dabei an עאן denken, welches chaldäisch Schaaf bedeutet. 7) Die verfänglichste Frage war, ob die Erzählung in dem halbkanonischen Traktat Kallah von einer Person, welche als ממור und בן הגרה bezeichnet wird, sich auf Jesus beziehe. Da Jsmael Chanina diese Anspielung leugnete, obwohl die meisten eingekerkerten Juden von Bologna sie zugestanden hatte — allerdings unter der Tortur — so wurve er in die Folterkamnier geführt. Lassen wir ihn sprechen. וכאשר (1חקרני החוקר על זה הביאני במקום אשר אסירי המלך מקבלים החבל ההבל (י ist das spanische euer da Strick und bezeichnet offenbar die Anwendung der Folter, wie Bergenroth ans spanischen Urkunden in Bezug auf die Behandlung der Königin Johanna, der sogenannten Wahnsinnigen, von Seiten ihres Vaters Ferdinand, des Katholischen, behauptet hat. Die Apologeten für Ferdinand und Karl V. leugnen bekanntlich die Bedeutung der euerda als Foltermittel. Aber auch in dem Berichte o. S. 379 wird הבל im Sinne von Folter gebraucht. Auch in einem italienischen Berichte des venetianischen Gesandten in Rom (Berliner königl. Bibliothek Llanuscripti italiani folio Nr. 16, abgedruckt Graetz Geschichte d. Juden IX Roten S. UV fg.) kommt das Wort «orda im Sinne von Folter vor. Von einem Marranen in Portugal heißt es in diesem Berichte: essend« posto in prigione. avanti che ILfussedata la cor da confesso. Es war also entschieden im sechszehnten Jahrhundert ein ternrinus tsohnieus eorda gleich spanisch euerda für Folter in Gebrauch.