Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaimperiode
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 365 (sequence 3)
- Language
- German
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halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaimperiode 385 noch eine andere. Wenn die Vereinigungspunkte einer Discussion mit ihrer Basis, Mischnah oder Mimra, verloren gegangen waren, so daß diese gewissermaßen defekt, aber an sich gewichtig und durchsichtig genug, in den Lehrschulen circnlirte; so benutzte die Redaktion jede Gelegenheit, dieselbe in den Text einzureihen, um sie so der Vergessenheit zu entziehen. Eine solche mehr kiinstliche Einreihung trägt gewöhnlich das Zeichen der unnatürlichen Verknüpfnng an der Stirn. Der gewaltsanr znsammenkittende Terminus ופא;», zu dem meistentheils in solchen Fällen die Zuflucht genommen wird, verbirgt dann auch sehr schlecht die Heterogenität der betreffenden Bestandtheile. Der Einschaltung von Agadothpartien liegt vorzüglich ein dem erwähnten ähnliches Motiv zu Grunde. Man wollte diesen interessanten Literaturzweig der vorhergehenden Geschlechter unter aller Bedingung retten. Dieses glaubte man an! besten zu erreichen, indem man ganze Complexe in die nationale Schatzkammer, den Talmud, aufnahm. Die Heterogenität der Halachoth und Agadoth schloß aber jede natürliche Vereinigung aus. Anderseits mußte die Vereinigung doch wenigstens einen Schein von Zusammengehörigkeit haben. Man suchte daher jeden noch so weit abgelegenen Anhaltspunkt für diese Anreihung. Da nun die einzelnen Discussionen und Erörterungen ans verschiedenen Schulen und von zahlreichen Autoren herrühren, so konnte es nicht ausbleiben, daß in den zu einem Ganzen, wenn auch öfter nur äußerlich, vereinigten Bestandtheilen die verschiedensten und entgegengesetzten Ansichten, Anschauungen und Standpunkte zusammentrafen. Hätte die Redaktion sich auf Stoffansammlung beschränkt, der Talnmd würde, besonders in Fällen ersterwähnter Art, ein wahres Labyrinth darbieten. Die Redaktion hatte sich aber eine unrfassendere Aufgabe gestellt. Diese bestand darin: die z n s a m m e n g e b r a ch t e b u n t e Masse wurde v on i h r entweder nach innern, logischen, oder äußeren, historischen Gesichtspunkten geordnet. Gerade in der O r d n u n g s w e i s e liegt der Schwerpunkt der Redaktionsthätigkeit, und nicht in der Hinzufügung irgend welcher Partien. Wo die Redigenten ihre Anmerkungen hinzufügten, was häufig geschah, da thaten sie es nicht als Redigenten, sondern in ihrer Eigenschaft