Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Beiträge zur Geschichte der letzten geonäischen Zeit und zur Kritik der karäischen Propaganda
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 356 (sequence 5)
- Language
- German
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356 Beiträge zur Geschichte der letzten gaonäischen Zeit פיתומי und das dadurch ermöglichte Wortspiel ,-ins אשר andeuten will — wohl auch auf Saadia's Veranlassung/ über die Besinnmung von Festtagen gestritten hätten, so zwar, daß die Palästinenser einen Tag feierten, und die Babylonier einen anderen, genauer den morgigen, daß beide Parteien sich dann gegenseitig verketzerten, in den Bann thateu und sich der Liige ziehen, daß endlich eine Partei unter den Palästinensern es mit den Babyloniern, wie umgekehrt eine Partei unter den Babyloniern es mit den Palästinensern gehalten habe. Dies wäre etwa der Inhalt der Nachricht, welche aus dem Wortlaute des Berichtes sich ergiebt. Würden wir die Angabe Sahals, ganz so, wie sie ist, für pure Wahrheit hinnehmen müssen, und ständen uns keine weiteren Berichte zur Verfügung, dieselbe zu controlliren, dann müßten wir wirklich über die Thatfache erstaunen, daß rabbauitische Juden im 10. Jahrhundert über die Bestimmung eines Festtages in Streit geratheu konnten. Was würden diejenigen, die das hohe Alter der jüdischen Kalenderberechnung anzweifelten, erst zu dieser Stelle gesagt haben, die, dem Scheine nach zu urtheilen, doch wohl gebieterisch die Annahme fordert, es habe wo möglich noch zu Saadia's Zeit unter den Rabbaniten keine fixirte, unabänderliche Norm für die Bestimmung der Kalender gegeben? Aber diese Ansicht ist wohl durch die richtige Würdigung der Stelle Jerufchalmi Erubin III.x) für beseitigt anzusehen. Auch fordert die Nachricht Sahals an und für sich die Kritik heraus. Welches waren wohl die מועדים, über deren Besinnmung die Palästinenser und Babylonier uneinig waren? Wir schikken voraus, daß מועד sowohl bei Rabbaniten, welche auch den 9. Ab מועד nennen, indem sie auf Thren. I., 15 Hinweisen, wie bei Karäern nicht allein die ר1לים oder die Wallfahrtsfeste, sondern auch das Neujahrsfest und den Versöhnungstag in sich begreifen kann. Bildet doch Levit. XXIII, 4 אלה מועדי ה׳ מקראי קרש die Einleitung zu sümmtlichen Festen. Nun hat Sahal wohl nicht den eintägigen יום מפורים inr Sinne; denn dann würde er wohl die ganze Sache viel schärfer betont haben, ganz abgesehen da- ') Bei Graetz Gesch. IV. Note 31 der 2. Auflage.