Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zwei interessante Briefe Mannheimer's
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Zwei interessante Briefe Mannheimers. Die Religion und Moral gewinnen beide an Raum und Tiefe in der Gemeinde,, und es können die blindesten Zeloten und die aufgeklärtesten Freidenker nicht ableugnen, daß beut Judenthum in hiesiger Gemeinde eine kräftige Stütze herangewachsen sey. Mein innigster Wunsch und mein kräftigstes Wirken geht jetzt dahin — das Gewonnene zu erhalten, und ich leiste gern Verzicht auf jede Erweiterung und Ausdehnung des Princips, so ich mir das Errungene sichern kann. Auch haben wir in dem letzten Jahre nicht das Geringste an unsern gottesdienstlichen Formen abgeändert — Predigt — Gesang — Ritus — äußere Form, Alles כימי קדבס — ich habe sogar durch Statuten, die von der Gemeinde sanctionirt sind, und die jedes Gemeindeglied hat unterschrieben, wie בימי עורא — den Thatbestand möglichst zu sichern gesucht. Das Einzige, was ich noch dazu thun möchte, bisher aber so ganz auf eigene Hand nicht gewagt habe, wäre der deutsche Gesang — besonders der jüngeren Generation wegen — da mir die Gemeinde bey unserm Gottesdienste zu unthütig ist, und selbst zu wenig beschäftigt. — Sie würden mich sehr erfreuen, wenn Sie mir darüber Ihre Meinung considentiell und im Vertrauen auf meine Discretion mittheilen möchten. Ich habe Niemanden in der ganzen Welt, dessen unbefangenem Urtheile ich trauen könnte. Kley und Salomon in Hamburg, denen ich sehr befreundet bin, schreiben mir sehr selten, schon seit Jahren höre ich von beiden Nichts, noch dazu ist ihre Ausgabe eine ganz andere — und sie können sich schwerlich in unsere Stellung hineindenken, die wir einer gauzen Gemeinde und Allen, die ihr anhüngen, der alten und der neuen Zeit wollen und müssen gerecht seyn. Auch habe ich mich schon längst überzeugt, daß mit den: einseitigen Eingehen itt die neue Zeit nichts gewonnen ist — die Jugend verschmähet das Neue, so es ihr nach wenigen Jahren ist alt worden, wie ehedem das Alte. Ein pltri muß da seyn und zwar ein האמונה pllPn Was nun den deutschen Gesang betrifft, so werden Sie selbst schon gefühlt haben, wie abgerissen die Predigt dasteht, wenn keine solche einleitende Stimmung ihr vorangeht, und ihr Nichts nachfolgt, als ein קדיש — und das מוסף —. Auch wäre es meine Absicht — anfangs wenigstens mit מוס והיסס, die ich würde übersetzen und versifieiren lassen, mich zu begnügen. Aus eine Orgel würde ich nie rechnen — und wenn auch alle äußeren Einwendungen dagegen aufhören möchten, ich gestehe, es ist der Orgelton der christlichen Kirche einmal zu sehr zur Eigenthümlichkeit worden,