Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 4)
- Language
- German
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330 Slecenfiotien. die Hölle im vierten Gesang nicht gar zu heiß ist, und daß Dante im Banne einer strengen ehernen Dogmatik dichtete, während Immanuel nicht seiner Individualität, sondern nur den Satzungen seines Glaubens folgen durfte, um frei zu denken. Nach diesen Diatriben geht Hr. vr. Paur zur Erörterung der Frage über, ob Dante und Immanuel in persönlichem Verkehr gestanden haben. Der besonnene Gelehrte jätet hier viel Unkraut aus, das eifrig genährt, üppig aufgeschossen ist. Luzzato hat zuerst auf Grund von einigen, durch einen italienifchen Gelehrten veröffentlichten Sonetten die Meinung airsgesprochen, daß Dante und Immanuel vertraute Freunde gewesen seien. Geiger faßte diese Notiz des bescheidenen Luzzato sofort beim Schopfe und verarbeitete sie in einem Aufsatze, den er zuerst im Magazin für Literatur d. Anslandes, sodann im Ozar nechnrad, ferner in einigen Kalendern, hierauf in seiner Zeitschrift, endlich als Separatabdruck veröffentlichte, nachdem er schon früher durch eine ziemlich harlekinhafte Uebersetzung der ergreifendsten Stellen des ״Tophet und Eden" einige Sünden gegen den Dichter auf sich geladen hatte. Zwei Daniel kommen im Gedichte vor, der eine ist nach der Weise Virgils, der Führer durch die Hölle, der andere hat einen vornehmen Platz im Paradies; von ihm rühmt I., er habe ihm den Pfad zur Tugend gewiesen, er habe die Sünden des Volkes getragen u. s. w. Geiger identificirt den zweiten Daniel rasch und ohne Weiteres mit Dante; aber Paur weist mit Recht eine Hypothese zurück, die Geiger dadurch halten wollte, daß er behauptete, das Lob des Daniel beziehe sich nicht aus specifisch Jüdisches. Konnte jedoch ein Jude, und fei es der aufgeklärteste gewesen, von einem Christen damals behaupten, er habe die Sünden des Volkes getragen u. dgl. m.? Paur möchte eher, schon der Analogie mit dem Heiden Virgil halber, den Führer Daniel mit Dante identiftciren; aber, da der führende Daniel das ständige Epitheton des Propheten trägt, so hat auch das seine Bedenken. Und auch die Sonette geben, wenn bei philologischer Richtung die Spreu vom Weizen getrennt wird, keine sichere Ausbeute. Wir fürchten allzuweitläufig zu werden, wollten wir die obenhin fast resultatlose Untersuchung Paur's excerpiren; zwei von vieren scheidet er unbedingt aus ״als ungeeignet, um daraus mit einiger Sicherheit ein Freundschaftsverhältniß der