Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 2)
- Language
- German
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Rccenstonell. 328 Dichtung des Mittelalters entführt. Hr. Vr. Paar hat sich von einigen mehr oder weniger geschickten Führern in diese Wildniß hineinlocken lassen, und in einem Aufsatz über Immanuel und Dante erstattet er vor allem Bericht über den Eindruck, den er von dieser Irrfahrt in unbekannte Lande davongetragen hat. Mit frohem Stolz werden die Männer, welche den Staub der Jahrhunderte von den Werken jüdischer Meister weggefegt, und deren Leben und Schaffen dargestellt haben, erkennen, daß auch in christliche Kreise die bessere Erkenntniß allgemach eindringt. Hr. Dr. Paur beginnt: ״Das Mittelalter ist die Zeit der Kontraste. Einen der schneidendsten bilden die empörende Behandlung der Juden in den christlichen Ländern und der ehrenvolle Rang, welche ihre Literatur und der dieselbe durchwehende Geist der Duldung, ja Anerkennung für Andersgläubige, der enthusiastischen Hingebung an das Erhabene und Schöne, in der Bildungsgeschichte der Menschheit ihnen anweist! ״Sie entfalten eine nationale Poesie, deren Blüthen an Duft und Farbenpracht den Vergleich mit den Dichtungen der christlichen Sänger nicht zu scheuen brauchen." ״Die jüdischen Dichter Spaniens feierten nicht allein Gott in der Welt und hu Menschen auch die Liebe zum Weibe schwellte ihr Herz und ergoß sich in Liedern voll Reiz und Anmuth." Von dem Hauch der Begeisterung durchzogen ist denn auch die Abhandlung über Immanuel Romi, besonders über den letzten Theil des Machberet, welcher offenbar eine Nachahmung der ckivina oomoeckis ist, sowie wie über das Verhältniß des jüdischen Dichters zu Dante. Hr. vr. Paur giebt eine ausführliche Analyse dieser ckivina oomoockia des Immanuel, hält sich aber unseres Dafürhaltens bei dem Nachweis, daß Im- Manuel abhängig ist von Dante, zu lange auf. Das bedarf für einen, der nur die Umrisse des dantischen Meisterwerkes, sowie des ״Tophet und Eden" kennt, und der es weiß, daß Immanuel ein jüngerer Zeitgenosse des großen Florentiner's gewesen ist, keiner laugen Deduktion. Ob nun das Bild der irrenden Tauben für die Ehebrecherinnen aus dem Hohen Lied entlehnt ist oder der hochberühmten Schilderung der Francesca de Rimini und ihres Liebhabers Paolo aus dem 5. Gesang des Inferno, ist von geringem Belang gegenüber dem in der Anlage des Ganzen völlig gleichen Gerüste und der Uebereinstimmung in zahl-