Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaimperiode
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 317 (sequence 5)
- Language
- German
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halachisch-exegctischen Sammlungen während der Tannaimperiode 317 beu; Erweiterimg und Abrundung des Halachahmaterials gingen Arnr in Arnr. Aber eben weil der erste Zeitabschnitt hier so lange gedauert, eben weil die Klarungszeit sich so spät eingestellt, war es möglich, daß die Klärung in relativ so kurzer Zeit und in vollendeter Gestalt zu Stande kam. Und der langen Gährnngszeit hat nrau eben soviel, als dem abnormalen Gange, den die Entwia lungsgeschichte der Halachah wahrend der Gaonim- Periode gemacht, zu verdanken, daß die in den beiden Talmuden erhaltenen reichhaltigen Literaturprodukte aus der Emoraimzeit auf uns gekommen sind. Nach den: eben Besprochenen wird man die Verwandtschaft des Gesannntcharakters der gedachten Literaturmaffen als Thatsuche zugeben. Wir greifen nun aus der Menge der einzelnen Erscheinungen, die, ebenfalls beiden Theilen gemeinsam und gleich räthselhaft, bis jetzt ohne günstigen Erfolg den Gegenstand von Erklärungsversuchen ausmachten, einige heraus, um zu sehen, in wie fern es gelingen möchte, dieselben als einen natürlichen oder nothwendigen Ausfluß der Beschaffenheit der reichen Talnurdliteratur zu finden. Die Forschung kann hier mit mehr Zuverficht an diese ihre Aufgabe herantreten, als sie hegen könnte, wenn sie bei dieser Lösung allein auf die erhaltenen tannaitischen Literaturprodukte angewiesen wäre. Das überaus große Material, der Talmudliteratur setzt den Forscher in den Stand, für seine Resultate wissenschaftliche Geltung zu beanspruchen. Stützt er sich ja hier nicht allein auf Hypothesen, sondern befindet er sich auf festen: und greifbaren: Grunde. Eine einigermaßen aufmerksanre und unbefangene Vergleichung von Paralleldiscussionen im babylonischen Talmud stößt öfter auf nicht unbedeutende Abweichungen. Diese find der Art, daß der Versuch, bei ihnen die gewöhnlichen Lexteskritischen Btittel anzuwenden, sogleich den Frenrdling auf diesem Gebiete verrüth. Die Abweichungen beschränken sich keineswegs auf die allerdings nicht selkn diametral entgegengesetzte Angabe von Autornamen der einen oder andern Entscheidung, Erörterung und Interpretation. Ge-!vis; sind auch diese sehr häufig, allein die Anzahl derjenigen, die die Ordnung und Fassung des Inhalts betreffen, ist nicht :!linder zahlreich. Freilich sind unter diesen manche, die man auf Rechnung der Abschreiber und Drucker setzen kann und muß.