Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 7 · p. Seite 316

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 7
Article
Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaimperiode
Date
1871-01-01
Page
Seite 316 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829402-2829410-2865966--13570-2866005
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

316 Veranlassung, Zweck und Entwickelung der haluchischen und der zweiten Epoche der Halachahentwickelung und verhinderte so eine Zeit lang die Abrundung derselben. Diesen zwar gewichtigen, aber in Rücksicht auf unseren Gegenstand immerhin nur äußerlichen Umstand wollen und können mir hier außer Licht lassen. Fixirt man die wesentlichen Theile der eben besprochenen Epochen, so findet man, daß diese in je zwei Abschnitte zerfällt, die zu einander in korrespondirendenl Verhältnisse stehen. Die ersten Abschnitte beider Epochen stellen die Zeit der Summlung, Erweiterung und Durcharbeitung des Materials dar; die anderen Abschnitte hingegen die Zeit der Klärung, Abrundung und Feststellung der gewonnenen Resultate. Die emoraischc Periode entspricht den ersten drei, die alfaßi-maimunische den folgenden Tannainrgeschlechtern. Gewiß, die Dauer des Werdens und der Reife in beiden Epochen ist nicht dieselbe, vielmehr sehr verschieden. Während die Entfaltungsdauer der ersten Epoche sehr bald der der Reife Platz macht, nimmt in der zweiten Epoche die Entfaltungsdauer beinahe den ganzen Raum ein und vollzieht die Reife sich in einer Spanne Zeit. Ties kann jedoch bei näherer Betrachtung nicht befremden. Nicht wenig haben hierzu jedesmal äußere Umstände beigetragen. Aber auch abgesehen davon, die Persönlichkeiten, die die Träger der Wendepunkte in beiden Epochen sind, erklären hinlänglich das umgekehrte Verhältniß. Wäre R. Akiba in dem letzten Tannaimgeschlechte geboren, so wäre er nicht nur der Begründer der Abrundung, sondern er hätte sie auch zum Abschlüsse gebracht. Ebenso würde die zweite Epoche ihren Abschluß mehrere Jahrhunderte früher erreicht haben, weint die spätere babylonische Judenheit einen Alfasi, einen Maimuni hervorgebracht hätten. Der Eintritt des gedachten Wendepunktes in der ersten Epoche war verfrüht. Die Ausbildung und Entfaltung war damals noch lange nicht vollendet; die Beschaffenheit der Differenzen in den folgenden Tai:- naimgeschlechtern zeigen dies am besten. Diese betreffen keineswegs weitabgelegene, nur int theoretischen Interesse aufgeworseue Fragen. Sie habeit Pttitkte zunt Gegenstände, die, vbschou int Vordergründe des religiös-praktischen Lebens stehend, theils früher noch gar nicht erörtert, theils, wenn erörtert, nicht zur Normgültigkeit erhoben worden waren. Es mußten daher gleichzeitig zwei gewissermaßen sich ausschließende Beschäftigungen stattfin-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.