Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaimperiode
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 3)
- Language
- German
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halachisch-cxegetisclM Sammlungen mährend der Tannaimperiode 315 Eine mcitcvc Ausführung dieser Andeutung wird nicht nur einer gebieterischen Anforderung entsprechen, sondern möchte auch zur näheren Kunde der Eigenthümlichkeiten des Talmud einen nicht uninteressanten kleinen Beitrag liefern. Dieser Gewinn dürfte eine geringe Abschweifung, wenn überhaupt eine einschlägige Betrachtung als Abweichung betrachtet werden könnte, zur Genüge rechtfertigen. Wir erwarten keinen ernsten Widerspruch, wenn wir folgende Ansicht anfstellen. Die Geschichte der Halachahliteratur hat nur noch einen einzigen Zeitraum aufznweisen, in dem die Halachah, wie in der Tannaimperiode, ans sich heraus, mit vollem Bewußtsein, naturkräftig und consequent alle Entwickelnngs- Phasen dnrchgemacht hat. Den Anfang dieses Zeitraumes bezeichnen die ersten Emoraim, und den Entwickelungsabschluß bilden Alfassi und Maimnni. Freilich ist auch hier ein bedeutender Unterschied wahrzunehmen; derselbe beschränkt sich jedoch mehr ans Aenßerliches. In der Tannaimperiode vollzieht sich der EntivickelungSprozeß ohne Unterbrechung und Störung in einer relativ kurzen Zeitspanne. In dem gedachten Zeitabschnitte hingegen bemerkt man eine geraume Zeit, einige Jahrhunderte nämlief), in dem Entwickelungsgange einen gewissen Stillstand. Während dieser Zeit befindet sich der schaffende Geist, obschon keineswegs nnthätig, so doch ans Umwegen. Denn dem inneren Zusammenhange nach folgen Alfassi und Maimnni unmittelbar auf, wenn nicht die Emoraim, so doch die Saboräer, die wahrscheinlich die letzte Hand an die Redaktion des Talmud gelegt haben. Die zwischen der Endredaktion dieses Riesenwerkes einerseits und den beiden erwähnten afrikanisch-spanischen Autoritäten anderseits befindliche Gaonimperiode bildet in diesem Entwickelnngszeitranm eine Anomalie. Sie hat viel Aehnlichkeit mit einer spätern, seiner Zeit naturgemäßen EntwickelungSperiode der französisch-deutschen Epoche, deren Bedeutung vorzüglich in der Ausbildung und Entfaltnng der Talmudauslegnng und Casnistik liegt. Die talmudischen schriftstellerischen Leistungen der Gaonim finden, insofern die vorliegenden literarischen Produkte aus dieser Zeit zu einem Schlüsse berechtigen, in den Erzeugnissen aus der Maharil'schen Schule das treueste Ebenbild. Die Gaonimperiode theilte sich gleichsam als hemmendes Moment in die organische Gliederung