Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Dilettantismus in der Geschichts- und Halacha-Kritik
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829402-2829409-2865899--13535-2865955- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
286 Dilettantismus in der Geschichts- und Halacha-Kritik. Kern von Schale, gründliches Quellenstudium von entlehntem Citatenwust zu unterscheiden vermag. Wein wird z. Beisp. das unbeholfen Schülerhafte iit der Bemerkung zu בראש השנה אשתקד (Ber. 28 b.) nicht ein mitleidiges Lächeln abgewinnen?! Herr K. übersetzt: Beim Streit des vorjährigen Rosch haschana, und bemerkt: ״das ב in בראש השנה darf nicht temporal, ebensowenig das ב in בבכורות ״zeitlich" genommen werden, das ב darf auch nicht ״looal" genommen und wie Raschi sagt, mit ״in Na860bta R086b ba8obana" übersetzt werden, weil es damals N68aobt0tb noch nicht gegeben hat, sondern das ב ist nur ״ .,real"" zu nehme;!!" Nun, das; es Jemandem einfallen könnte, das ב in ״ בבכורותzeitlich" zu nehmen, diese herrliche Idee ist eines Patentes werth! das; aber die Warnung, das ב in בראש השנה nicht ״temporal zu nehmen" durch das Adverbium אשתקד (S. Lewy's Ehald. Wb.. Bd. I.) überflüssig geworden, wird wohl Jedermann einsehen, der, wie Herr K. sagt, ״Verständnis; für die Sprache der Mischnah" besitzt. Ueberhaupt will uns bedrücken, das; hier die Worte בראש השנה und בבכורות gar nicht ״zu nehmen," sondern wie dies schon Wiesner (Scholien z. bab. Talmud I, 62) vermuthet, Einschiebsel seien, die von der Hand eines spätern Abschreibers, der sich an! Rande eines Talmudexemplars die Theile angemerkt habe;; mochte, in denen die hier besprochenen Fakta referirt werden, herrühren mögen. Hiermit wäre auch die Ansicht Raschi's z. St. motivirt. Viel Dinte vergießt die ״Erklärung" um nachzuweisen, das; R. Josua zwei Tage Rosch-haschanab feierte, während der Patriarch, der die beanstandeten Zeugen als glaubwürdig anerkannte, nur einen Tag feierlich beging, dadurch mußte natürlich der Jom Kippurim, Sukkoth, u. s. w. nach der Berechnung R. Jostucks um einen Tag später eintreten. Und das, meint Herr K., durfte der Patriarch nicht zugeben, sonst ״sinkt der Patriarch zur Pagode, das Spnhedrion zun! Marionettenspiel herab." Diese von Niemandem bestrittene Thatsache sucht Herr K. als Schild in seinem Rappiergefechte gegen Frankel und Graetz zu gebrauchen, was ihm aber durchaus nicht glücken will. ״Frankel und Graetz meinen" — meint Herr K. — ״es mögen sich damals Leute aus Ehr- und Ruhmsucht und nicht aus wahrer Liebe zur Thora zur Lehrhalle gedrängt haben, und solche wollte R. Gamaliel mit seiner Anordnung כל תלמיד שאין תוכו כברו entfernt und nur die דורשי התורה באמת UN! sich wissen." Dann aber mußte der arme Thürhüter, der jene Leute abzuweisen hatte, ein gar ausgezeichneter Phisiognom gewesen sein, wenn er es von der Stirne den Leuten herab-