Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zwei interessante Briefe Mannheimer's
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829402-2829409-2865897--13527-2865951- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
282 Zwei interessante Briefe Mannheimer's. 4. Die Predigt bei allen festlichen Gelegenheiten als das lebendige Wort Gottes — aber lebendig muß es feilt, lieber seltener, wo nur kräft ig. Diese Erfahrung hat sich mir seit den 12 Jahren, daß ich im Amte bin, aufgenöthigt. Ich brauche eine ganze Woche zu einer Predigt — lese alle מדרשים und מפרשים zur פרשה genau durch, um auch das Volksthümliche, was מקובל באומה ist, ent die allgemeinere Wahrheit anzuknüpfen, ohne weiter an den Buchstaben mich zu binden. Ich suche meine Themata aus den fruchtbarsten und heiligsten Gestaden des rel. und Häusl. Lebens abwechselnd mitunter beide verbindend — suche dieses Thema so lichtvoll und klar als möglich auseinanderzusetzen, und dem Ausdrucke alle mögliche Kraft, Deutlichkeit und Herzlichkeit zu geben. So ist es mir gelungen, das Interesse der Gemeinde durch 4 Jahre imnter zu steigern. Es ist תהלה לאל י״ת noch immer im Zunehmen, und ich erfreue mich eines Einflusses und eines Ansehens in ineiner Gemeinde, die ich in meinen stolzesten Träumen mir nicht denken durfte. Um Beifall war es mir nie zu thun int gewöhnlichen Sinne des Wortes — כל הרודף וכר — den hatte ich schon frühe satt. Deutsche Gesänge haben wir noch nicht eingeführt — wohl aber deutsche Gebete bei allen feierlichen Gelegenheiten und vor und nach der Predigt — aber nur für den Prediger — nicht als צבור DN — auch dahin strebe ich. Die eigentliche הפלה kann dabei immer hebr. bleiben — als Cultus — Es ist auch dabei nicht viel gewonnen, wenn hierin eine Abänderung geschieht — und für die volksthümliche Seite des Judenthums vielleicht viel verloren. Ich glaube nun, mich Ihnen nach Innen und nach Außen kenntlich gemacht zu haben, das Uebrige einer genauem Verständigung überlassen. Indem ich nun mein Streben Ihrem Urtheile unterwerfe, hoffe ich, daß Sie mir dasselbe nicht vorenthalten und mir Ihrerseits Ihr Zutrauen nicht entziehen werden. Ich sehe Ihrem Schreiben von Tag zu Tag mit Sehnsucht entgegen — und wie ich mich freue, einen solchen Mitarbeiter am Werke des Herrn gefunden zu haben, denn dafür halte ich Sie, wenn auch רב — der sich unterschreiben kann יושב על בם הוראה, was ich nicht kann — und wonach ich nie gestrebt habe — so freue ich mich, einen Freund gefunden ztt haben — dem ich hin und wieder meine Sorgen und Freuden aus voller Seele mittheilen könnte.