Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Biblische Analekten
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 4)
- Language
- German
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244 Biblische Analekten. der in der Treue gegen seinen König seine Ehrlichkeit opfernde Chuschai auf sophistische Weise sich vor sich selbst rechtfertigt. Je nachdem also der Satz abgetheilt wird, ergiebt er entweder eine Unterwürfigkeitserklärung für Absalom, oder aber eine Loyalitätserklärung für David. Liest man: עבדך אני המלך אהיה עבד אביך ואני מאן ועתה ואני עברך so heißt es: Dein Diener, o König, will ich sein; der Diener Deines Vaters — das war ich einst, doch was das Jetzt betrifft, so bin ich Dein Diener. Liest man dagegen: עבדך אני המלך אהיה עבד אביך ואני מאן ועתה ואני עבדך so heißt es: Ich bin Dein Diener, o König (ein gewöhnlicher Gruß). Ich werde der Diener Deines Vaters bleiben, und das war ich von jeher und (bin es) jetzt. Ich bin Dein Diener (wiederum ein Gruß, wie er in unseren Tagen noch gebräuchlich ist). Wollten wir die Zweideutigkeit im Deutschen wiedergeben, so könnten wir etwa so übersetzen: Dein Diener, o König — ich will sein — der Diener Deines Vaters — der war ich früher — und jetzt — Dein Diener. Es versteht sich von selbst, daß diese Rede eine Fiction des Schriftstellers ist, wie es bekanntlich die Art der Geschichtsschreiber des Alterthums, der Situation entsprechende Reden zu erdichten und ihren Erzählungen einzuverleiben. Wir erinnern nur an Thucydides. Dieselbe Zweideutigkeit aber in viel geschickterer Wendung findet sich Cap. 16, V. 18 und 19. Man würde sie kauin bemerken, würde man nicht durch die Schwankung in der Eonstruction des Verbums עבד, welches einmal nüt ל und zweimal