Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Biblische Analekten
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
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Biblische Analekten. 243 Propheten gewordenes Orakel, oder er legt, wie dies oft geschieht, die Zustände und Thatsachen als einen solchen Gottesspruch aus. 3. I Sam. 24, 11. Mit dieser Auslegung einer Thatsache als Gottesspruch erklärt sich das schwierige ואפזר־. Gewöhnlich ^änzt man האסר und übersetzt: ״Und Jemand sprach". Warum nicht viel einfacher das Subjekt fortlaufen lassen und übersetzen: Siehe, heute sahen Deine Augen, wie Dich der Einige in ureine Hand gab und mir (somit) sagte, daß ich Dich tödten sollte, u. s. w. Ganz dieselbe Auffassung spricht sich in Vers 5 fast mit denselben Worten aus. ותחס עליך würde ich, wenn's nicht zu gewagt wäre, übersetzen: und Du hattest Dich bedeckt, hattest Dein Kleid über Dich gebreitet, so daß ich Dich unbemerkt tödten konnte. 4. 2 Sam. 15, 34 und 16, 18—19. Die vielen Waw in dem zuerst citirten Verse fordern die Exegese heraus. Eine Corrnptel des Textes hier anzunehmen, wäre kaum zulässig, da man nicht einsieht, wie ein Abschreiber in derartige Fehler verfallen konnte. Bei aufmerksanrer Betrachtung jedoch kann dem Leser kaum entgehen, daß die durch die Waw erzeugte Dunkelheit des an sich aus dein Zusammenhänge klar verständlichen Ausdrucks eine beabsichtigte ist. Der Schriftsteller will hier David eine Zweideutigkeit sprechen lassen, oder vielmehr will David Vorfahren, wie er Chuschai überredet, durch eine doppelsinnige Phrase sich Absalom zur Verfügung zu stellen, ohne sich deßwegen im eigenen Herzen durch eine Lüge zu demüthigen. Wir haben hier über die Sittlichkeit eines derartigen Sophisma's nicht zu urtheilen, denn jedenfalls spielen David und Chuschai hier keine allzu edle Rollen und können eben nur durch den Drang der Umstände entschuldigt werden. Verrath am Verräther tiben, ist niemals für unehrenhaft betrachtet worden. Es ist aber ein tiefes und richtiges pspchologisches Moment, welches den Schriftsteller bewegt, eine Rede gu erfinden, durch welche 16*