Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Dilettantismus in der Geschichts- und Halacha-Kritik
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 4)
- Language
- German
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239 Dilettantismus in der Geschichts- und Halacha-Kritik. gegen das Collegium Gamal iel's, auch im Angesicht des Patriarchen kein Hehl gemacht; das; dieser aber seinen Opponenten nicht allsogleich die ganze Strenge seines Ansehens fühlen ließ, und ״erst wartete, bis er zu Hause geht", mochte in dem Umstande seinen Grund gehabt haben, daß der Patriarch hiezu — bis Jom Kippur Zeit hatte, und mit der Vollstreckung eines harten Urtheilsspruches so lange zögerte, bis er vollkommen überzeugt war, daß Josua bei seiner Behauptung beharrt. — Aus Berachoth 27 b geht auf's Evidenteste hervor, daß N. Gamaliel seine zeitweise Amtsentsetzung gerade der Anwesenheit Josua's im בית המדרש zu Jabneh zu verdanken hatte, und daß es Josua, zumal vor diesem unerquicklichen Zwischenfall, nicht an Gelegenheit gebrach, mit dem Patriarchen direkt, d. h. um mit Herrn K. zu sprechen, auf ״natürlichem Wege" zu verkehren, wenn wir auch andererseits zugeben, daß für die Behauptung Graetz's ״Josua forderte das Collegium zur Abänderung der Festtage auf" aus der in Frage stehenden Mischnah wenigstens, sich kein stichhaltiges Motiv Nachweisen läßt, und daß Graetz zu dieser Behauptung wohl nur aus dem Grunde sich veranlaßt sah, um der Opposition eines so hoch in Ehren gehaltenen Synhedrialmitgliedes, wie Josua's, das Odiose einer offenen Auflehnung gegen den Beschluß des von der Halacha als rechtskräftig anerkannten ב״ר של שלשה womöglich zu benehmen. Ziehen wir nun das Facit, so ergiebt sich/ daß aus den citirten Stellen aus Graetz's Geschichte sich weder Nachweisen läßt, daß ״Graetz meint, in der Mischnah Rosch-ha-schana 24 a steht es geschrieben, daß Gamaliel bei der Festsetzung des Neumondes sein patriarchalisches teleslnötre plaisir an die Stelle des Dreimännereollegium's treten läßt", da die Worte Graetz's- ״Gaml. hatte sich die Vollmacht beigelegt, ganz allein darüber zu verfügen", weit eher die Deutung zulassen, er habe das Collegium persönlich beeinflußt, so daß ״das Collegium halb nothgedrungen halb überzeugt" seine!: Anordnungen sich fügte, als daß er sich ״kühn und rücksichtslos über das ב״ד של שלשה hinweggesetzt und eigenmächtig gegen seinen Willen gehandelt"; noch auch, das; es Graetz für ausgemacht hält, das; der Inhalt der Mischnah Nichts Anderes als eine gewöhnliche von Angesicht zu Angesicht geführte Debatte bedeute, noch auch endlich, wofür sich schon gar kein Anhaltspunkt findet, daß, nach Graetz Josua und Dosa zwei Mitglieder des Collegium's", in welchem R. Gamaliel als der dritte im Bunde hingestellt wird, gewesen, wohl aber liefert die ״Erklärung der dunklen Mischnah" auf eine untrügliche und unzweideutige Weise den Nachweis, daß der Dilettantismus in der Geschichts- und Halacha-Kritik