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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 5 · p. Seite 225

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 5
Article
Fremder Sagenstoff in der Agada
Date
1871-01-01
Page
Seite 225 (sequence 3)
Language
German
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Fremder Sagenstoss in der Agada. 225 gebliche Mühen Gottes Lohn erhofft (Loviticus rabba c. XIX). Noch deutlicher ist in R. Jochanan's Gleichniß die Penelopensage zu erkennen, obgleich sie natürlich dem homiletischen Zwecke zu Liebe etwas entstellt ist. Zu Threni 3, 21 bemerkt jener Rabbi: Ein König nahm eine Matrone zur Frau und machte ihr dabei die herrlichsten Versprechungen. Bald muß er sie verlassen und eine weite Seereise unternehmen. Da er sehr lange ausbleibt, wird die Verlassene von ihren Nachbarinnen vielfach gekränkt, indem sie ihr sagen: ״Der König hat dich im Stich gelassen, er wird nicht mehr zurückkehren." Die Arme weint und seufzt, doch tröstet sie sich stets auf's Reue im Hinblick auf die erhaltenen reichen Versprechungen. Nach langer Zeit könnnt endlich der König und ruft aus: ״Mein Kind, ich wundere mich wahrlich, daß du durch so viele Jahre mir treu ausharren konntest." ״Mein Herr und König," erwiedert Jene, ״hätten deine alten Verheißungen niich nicht aufrechterhalten, ich wäre längst den Versuchungen der Nachbarinnen unterlegen." Die Matrone, so lautet die schöne Anwendung, ist Israel, das trotz allen Anfechtungen und Lockungen der Nationen die lange Trennung von seinen: Gotte treu erträgt, im Hinblick auf die in der göttlichen Bundesurkirnde enthaltenen herrlichen Verheißungen (Echa rabba zur Stelle). Hatten wir es bisher mit Erzählungen zu thun, so tritt uns in dem nächsten Falle eins eigenthümliche Anschauung entgegen, welche gewiß aus - dem griechische!: Jdeenkreise in den jüdischen eindrang. Die Sage vom Sonnenteich — XCfivrj 'HaHoio, Solis lacus — ist ein im klassischen Alterthum ziemlich verbreiteter. Während Homer (Odyss. III, 1) die Sonne aus einem solchen, sich erheben läßt, nimmt Aeschylus (Fragm. 178) auch einen westlichen an. *) Die jüdische Vorstellung hat dies so verarbeitet, daß sie die Sonne auf ihrer täglichen Bahn am Himmel von einem solchen Teiche begleite!: läßt. ״Tu findest, so heißt es im Midrasch Schocher tob zu >1■ 19, 7, daß die Sonne in eine Hülle gegeben ist, diese!vieder in eine Sphäre, während unter ihr der Wasserteich — בריכה של מים — welcher sich am Firtnament befindet, mitzieht, um ihre Glut zu dämpfen, ch *)' S. Pauly, Realencyclopädio Bö. VII. S. 1271. *) Daß übrigens dieser Sonnenteich-Mythus auch sonst im Orient bc- Franlel, Monatsschrift. XX. t. . 15

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