Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Eine eigenthümliche Volkszählung während des zweiten Tempelbestandes
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 3)
- Language
- German
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202 Eine eigenthümliche Volkszählung gtadeg ißSoßijxovva xai Siaxoaiat, xadagwv anavtorv xai ayoäyv; ovre ydo Xengolg, ovre yovvoogoioig, ovre ywcuilv £7reßßrjvoig, ovre 7;otg äXXcog ßeßuasßevocg e'i^v %ןד erde 77־]g ih>- (Trag ßeraXa/nßavetv. Nach biefem Berichte war es also der Legat Cestius Gallus, welcher diese Volkszählung veranlaßt hat. Es liegt darin kein Widerspruch gegen die Angabe der talmudischen Quelle, daß Agrippa dieselbe veranstaltet habe, da schwerlich der Legat sich direkt mit den Priestern in Verbindung gesetzt haben wird, sondern ihnen wohl nur den Auftrag vermittelst des Königs zukommen ließ. Beachten wir Josephus' Bericht sorgfältig, so ergiebt sich daraus ein wichtiges Faktum. Cestius wollte vermittelst der ,Zählung dem Kaiser Nero die Ueberzeugung beibringen, daß das judäische Volk numerisch reicht so zu unterschätzen sei, als es diesem schien, oder ihm von seinen Höflingen dargestellt wurde. Er wollte also durch eure Thatsache bekräftigen, daß Judäa eine imposante Männerzahl aufzustellen im Stande sei urrd daher nicht gereizt werden dürfe. Um dieses Resultat zu erzielen, inüßte also dafür gesorgt rverden, daß an biefem Pascha, welches eine annähernde Volkszählrrng liefern sollte, eine' starke Betheiligung stattfinden sollte. Es ist also wohl voir Cestius Gallus, dem Könige Agrippa, den priesterlicheu Autoritäten und anderen Behörden dem Volke die Weisung zugegangen, sich recht zahlreich zu diesem Pascha einzufinden. Schicken rvir voraus, was sich von selbst versteht, daß die talmudischen Quellen und Josephus von einer und derselben Zählung am Pascha sprechen. Aus diesen Quellen (oder eigentlich aus diesen zwei Quellen, denn sämmtliche tälmudische Nachrichten fließen aus einer und derselben Tradition und sind nur als Varianten anzusehen) ergiebt sich, daß die Betheiligung außerordentlich stark war. Es habe sich eine so große Menge zu biefem Pascha-Opfer eingefunden, daß der Tempelberg sie kaum fassen konnte: הר הבית לא היה מחויקן. Natürlich, es handelte sich um eine politische Demonstration, dem Kaiser in Rom die Thatsache einzuprägen, daß Judäa eine starke Bevölkerung besitze, und auch außerhalb des Landes viele Verehrer Jerusalems und des Tenrpels existiren, denen das Loos der Heiligthümer nicht gleichgültig sein werde.