Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 4 · p. Seite 171

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 4
Article
Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaim-Periode
Date
1871-01-01
Page
Seite 171 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829402-2829407-2865753--13385-2865797
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaim-Periode. 171 Toleranz der beiden Richtungen (vgl. Jebomoth, Kap. 1 Mesch. 6) muß man nicht anachronistisch auf die vorsynodale Zeit beziehen. Der betreffende Bericht ist vielmehr eine Ergänzung zu der oben (S. . . . ) citirten synodalen Entscheidung, die dem faktischen Einflüsse cher schammaitischen Richtung auf das praktische Leben Rechnung trug. Von Toleranz vor dieser synodalen Aussöhnung ist in den Quelllen keine Spur wahrzunehmen, wohl aber vom Entgegengesetzten. Solche Umstände aber waren der raschen Erstarkung und Ausbildung zweier feindlich gegenüber stehenden Richtungen sehr günstig. Der bedeutende Unterschied zwischen den Verhältniffen vor und nach der Synode leuchtet nun ein. Nicht das Unentschiedene und Schwankende, das der religiös-gesetzliche Kanon in der Praxis darbot, war es, was früher gewaltige Reibungen hervorrief. In dieser Beziehung war der Zustand im zweiten Zeitabschnitte nicht viel besser. Im Bewußtsein des wirklichen tiefen Gegensatzes lag der Keim jener Verhältnisse, die, wenn consequent entwickelt, nothwendig zu einem unheilbaren Bruch innerhalb des Judenthums geführt hätten. Man begreift nun vollkommen, warum man in dem zweiten Zeitabschnitte nicht die leiseste Stimme für Anbahnung einer Verständigung vernimmt und nicht die mindeste Anstrengung seitens einer officiellen Gesammtvertretung machen sieht, um einen einheitlichen Religionscodex zu erlangen. Die Hinwegräumung der Schwierigkeit, die die Nichtübereinstimmung der Thatsachen mit einem Theile unserer obigen Voraussetzung bereitet hatte, macht es der Untersuchung nun möglich, den von ihr bis dahin mit Erfolg betretenen Weg weiter zu verfolgen. Die nächste Aufgabe, die jetzt zu lösen wäre, ist die nähere Präcisirung des Redaktionsbedürfnisses und die Bloßlegung der Art und Weise, wie man diesem Bediirfnisse abzuhelfen gesucht habe. Mit anderen Worten: die nächste Ausgabe ist Veranlaffung und Zweck der bewußten Sammlungen näher zu beschreiben. Zwei Wege stehen der möglichen Erreichung dieses Zieles offen. Man kann die zahlreichen direkten und indirekten Notizen in den Quellen, b. z. w. eine entsprechende Auswahl derselben zur Basis nehmen, von der ausgehend man, durch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.