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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 4 · p. Seite 172

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 4
Article
Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaim-Periode
Date
1871-01-01
Page
Seite 172 (sequence 15)
Language
German
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172 Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und Prüfung und Vergleichung, zur Zusammenstellung eines vollständigen Bildes von den damals wirkenden Motiven gelangen könnte. Dieser Weg ist bis jetzt gewöhnlich eingeschlagen worden. Zu einem günstigen Resultate hat er aber nicht geführt. Nun kann man auch umgekehrt eine mehr oder weniger wahrscheinliche Hypothese zum Ausgangspunkte nehnren, über deren Werth oder Unwerth dann eine nachträglich sorgfältig angestellte Prüfung derselben an den Thatsachen zu entscheiden hätte. Dieser Weg hat sonst allerdings seine bedenkliche Seite; er läßt der Willkür viel zu viel Spielraum. In unserem Falle aber verdient dieser aus folgenden Gründen den Vorzug. Die Hypothese, von der man hier ausgehen kann, ist mehr als Hypothese; sie grenzt an Wahrscheinlichkeit. Wir haben nämlich zur Vergleichung einen geschichtlichen Prozeß vor uns, der in den Hauptzügen solche Aehnlichkeit mit dem des betreffenden Zeitraumes der Tannaimperiode aufweist, wie man sie sich kaum größer wünschen könnte. Nun haben sich die Produkte, in denen sich der erwähnte Prozeß realisirt hat, in so großer Fülle erhalten, daß es dem Forscher nicht schwer fällt, den Weg, den die bewegenden Ideen des betreffenden Zeitraumes zurückgelegt haben, mit ziemlicher Genauigkeit zu zeichnen. Man setze nun den Fall, die Resultate, die sich aus einer Betrachtung eben dieses Zeitraumes für unfern Gegenstand ergeben würden, entsprechen den Consequenzen, die aus den richtig erkannten Verhältnissen während der nachsynodalen Tannaimperiode gezogen werden könneu. Es wäre dann kein Grund vorhanden, an der Voraussetzung eines gleichen Entwickelungsprozesses in dem letzterwähnten Zeitabschnitte zu zweifeln; es sei denn, daß die in den Quellen erhaltenen' geschichtlichen Notizen oder sonstige Zeugen jene Lügen straften. Die Aufgabe, die diese Untersuchung in ihrer jetzigen Phase zu lösen hat, ist demnach Folgendes. Zunächst hat sie die Aehnlichkeit des betreffenden Geistesprozesses mit dem unseres Zeitabschnittes näher darzuthun; dann den Entwickelungsgang des ersteren, in so fern dieser auf die in Rede stehende Frage Bezug hat, bloszulegen; ferner zu prüfen, ob die Verhältnisse und Umstände, die bei beiden obwalten, in dem Maaße einander ähnlich sind, daß sie zum Schluffe berechtigen, daß die Vollziehung beider Prozesse nicht nur ähnliche Motive hatte.

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