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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 4 · p. Seite 163

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 4
Article
Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaim-Periode
Date
1871-01-01
Page
Seite 163 (sequence 6)
Language
German
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halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannai'm-Periode. 163 ein, bot die Sammlung auch so einen ungeheuren Stoffreichthum dar. Man denke sich nun diesen Stoff in zahlreichen Schulen besprochen und bearbeitet, mit Erläuterungen und Consequenzen — hinzugefügt und gezogen von den neu entstandenen Richtungen — vermehrt, und man kann sich von der Verwirrung einen Begriff machen, in die die Halachah gerathen sein muß. Man vergesse ja nicht, daß in mündlichen Vorträgen Texterörterungen und aus dem Texte gezogene Consequenzen mit dem Texte selbst in Eins zusammenfließen; ein Umstand, auf den man nicht genug aufmerksam machen kann. Denn gerade die Nichtbeachtung desselben hat eine Menge Jrrthümer erzeugt und verbreitet. Es braucht kaum hervorgehoben zu werden, daß diese flüssige Beschaffenheit der Halachah, wie sie sich in den Schulen gestaltet hat, auch auf die religiöse Praxis schädlich wirken mußte. Wir sprechen nicht von denjenigen Halachoth, die in dieser Zeit sich im ersten Entwickelungsstadium befanden. Wie und auf welche Weise das praktische Leben sich den streitigen Ansichten gegenüber verhielt, die Erörterung dieses Punktes bedarf einer besondern sorgfältig eingehenden Untersuchung. Augenblicklich haben wir diejenigen Halachah- Partien im Auge, die einer früheren Zeit, angehören und Objekte der Schulerörterungen bildeten, aber eben deshalb in einen solchen ungeordneten Zustand gerathen waren, daß sie für die Praxis jeden sicheren Anhaltspunkt verloren hatten. Was that unter solchen Umständen Noch? Was mußte und konnte geschehen, um dieser neuen Gefahr zu steuern? Die Antwort hierauf ist hinterher sehr leicht Man sollte meinen, die zweifache Gestalt, in der sich die Gefahr zeigte, gäbe selbst die Rettungsmittel an die Hand. Eine wirkliche, von systematischen Gesichtspunkten ausgehende Stoffvertheilung und sachgemäße Redaktion einerseits und Vereinbarung oder innige Verschmelzung der auseinandergehenden Richtungen in der Vertheilungsmethode anderseits wären die wirksamsten Mittel gewesen. Dieser Ausweg erscheint uns sehr einfach und den bestehenden Verhältnissen am meisten entsprechend. Eine andere Frage ist es aber, ob auch die geschichtlichen Thatsachen dieselbe so erscheinen lassen. Mit anderen Worten: waren die Verhältnisse der Art, daß die erwähnten Mittel in Angriff genommen werden konnten? War in der That die Lösung beider Aufgaben nöthig und, wenn nöthig, ausführbar? 11*

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