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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 4 · p. Seite 162

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 4
Article
Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaim-Periode
Date
1871-01-01
Page
Seite 162 (sequence 5)
Language
German
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162 Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und zusammenhängende Gefahr für die Halachah, die die Synode theils nicht vorhersehen, theils wohl vorhersehen und auch beseitigen konnte, aber nicht beseitigt hat, ist folgende. Direkt nach der Synode ging beinahe jede der hervorragenden Persönlichkeiten, an denen das zweite und dritte Geschlecht so reich war, in der Entwickelung des vorhandenen Halachahstoffes ihren eigenen Weg und machte ihre Ueberzeugung zum unveräußerlichen Eigenthum einer zahlreichen Jüngerschaft. Nun hatte auch die Synode einen unübersehbaren Schatz von festen und streitigen Halachoth zusammen gebracht. Da aber dieselbe es unterlassen zu haben scheint, nach irgend einem andern Ordnungs- und Uebersichtspunkte als nach denjenigen zu suchen, der sich von selbst ergab, nämlich der Namen des Autors oder Ueberlieferers, so bot der ungeheure Stoffreichthum für die Erfüllung der ersten Bedingung einer getreuen und sicheren Ueberlieferung, die, was nicht aus dem Auge zu verlieren ist, überdies mündlich war, schwer zu überwindende Schwierigkeiten. Es waren an das Gedächtniß all zu große Ansprüche gestellt, als daß man gleichzeitig an ein innerliches Durchdrungensein vom Stoffe und eine vollkommene Beherrschung desselben hätte denken können. War dies schon mit dem auf der Synode zusammengebrachten Stoffe der Fall, in welchem Grade müssen diese Schwierigkeiten unter den direkt nach derselben herrschenden Verhältnissen zugenommen haben? Jener gesammelte Stoff bestand ohne Zweifel zum Theil aus kurzgefaßten Satzungen. Es ist kein Grund für die Annahme vorhanden, daß die unstreitigen, oder erst auf der Synode festgestellten Halachoth nicht annäherungsweise die Fassung, in der sie in der gegenwärtigen Mischnahsammlung vorkomnien, theils schon lange vor der Synode gehabt, theils von der Synode selbst erhalten hätten. Brachten es die Zeitverhältnisse und das augenblickliche Ziel nicht mit, daß die Synode mit der Redaktion oder nüt Ordnungsversuchen sich beschäftigte, so verhinderte dieses nicht, daß man von den zum Abschluß gebrachten Satzungen jede weitere Motivirung wegließ. Was die unstreitigen Halachoth betrifft, so waren diese gewiß von jeher in dem bekannten Lapidarstil abgesaßt. Also nur die offen gebliebenen Fragen werden mit ausdrücksicher Angabe der Gründe dafür und dagegen dem Uebersiefernngsschätze anvertraut geworden sein. Und doch, man sieht es leicht

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