Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaim-Periode
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829402-2829407-2865753--13373-2865785- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaim-Periode. 159 Gemeingut zu machen? Hierdurch wurden sie nicht allein der Vergessenheit entzogen, sondern auch, indem sie mit den sonstigen allgemein bekannten fest normirten Halachoth vereinigt wurden, zu einem festen Ausgangspunkte bei künftigen Erörterungen neuausrauchender Fragen gebildet. Zieht man endlich in Betracht, daß, wie in den Quellen ausdrücklich bezeugt wird, das Ziel der Synode nicht war und auch nicht sein konnte, die bereits bestehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen den zwei Schulen auszugleichen, sondern die Fortsetzung und Eriveiterung der Schulen selbst unmöglich zu machen, so wird man gern zugeben, daß der Schwerpunkt der Synode nicht in Einem der oben besprochenen Motivs, sondern in beiden zusammen oder richtiger, in einem beiden zu Grund liegenden Motiv gesucht werden müsse. Ein solches aber konnte nur die Herstellung eines Correctivs für die fernere Halachahentwickelung sein. Aus dem nun erkannten Ziele der Versammlung ergiebt sich nothwendig, daß diese außer den zwei besprochenen Aufgaben noch eine dritte zu lösen hatte, die sie auch, wie sich bald zeigen wird, gelöst hat. Neben den Differenzen der unerbittlich consequenten und schroffen Jünger der zwei Hauptrichtungen bestanden noch viele andere, die die Tannalten des ersten und zweiten Geschlechtes zu ihren Autoren hatten. Auch diese mußten nothwendig von der tagenden Synode berücksichtigt werden. Daß dies auch geschehen ist, beweisen die nicht unansehnlichen Partien in Edojoth, die Differenzen enthalten, in denen Tannattennamen der betreffenden Geschlechter genannt sind. Und daß die befindliche Anzahl derartiger Differenzen der wirklichen nicht entspricht; daß auch von diesen ebenso als von den allgemeingültigen Halachoth nur, wie von den schammaitischen und hillelitischen Differenzen, Bruchstücke in unserem Traktate Vorkommen: hierüber kann für denjenigen, der mit der Halachahliteratur vertraut ist, kein Zweifel bestehen. Edojoth ist eben nichts anderes, als eine Sammlung von Ueberbleibseln der verzeichneten Verhandlungen auf dieser Synode und der ersten übersichtlichen Mischnahordnung. Wenn nun auch, unseres Wissens, keine direkte Nachrichten iiber die Verfahrungsweise der Synode hinsichtlich der nicht schammaitisch-hillelitischen Differenzen gefunden werden, so