Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaim-Periode
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 6)
- Language
- German
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142 Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und Und doch kann man wahrlich nicht behaupten, daß die Schwagerehe einen, im praktischen Leben selten zur Anwendung kommenden oder untergeordneten Punkt bildet. Es dauerte nicht lange und auf allen Seiten wurde die Gefährlichkeit dieser Erscheinung eiugesehen. Schon im zweiten Tannäi'mgeschlechte wurden die krampfhaftesten Anstrengungen gemacht, dieser Gefahr zu steuern. Die frühere Einheit, das sah man ein, war nicht mehr zu erlangen; denn das Correctiv, das diese möglich gemacht, war zum großen Theil für immer verloren. Aber man wollte retten, was zu retten war. Das Streben, den entstandenen Bruch so viel als möglich zu heilen, vereinigte die anerkannten Autoritäten wie auch deren Anhang und Jünger auf jener Synode, die im Talmud unter der Bezeichnung כו ביום vorkommt, und der der Traktat Edojoth seine Entstehung zu verdanken hat. Ueber Veranlassung und Bedeutung dieser Synode und deren Produktes, des Traktates Edojoth, herrschen eigenthümliche Ansichten. Der innige Zusammenhang dieser beiden Erscheinungen wurde schon früh ziemlich allgemein erkannt. Doch ist diese Erkenntniß nicht das Resultat objektiver und selbstständiger Forschung, sondern vielmehr des unbedingten Vertrauens, das inan dem Quellenzeugniß von der Zusammengehörigkeit ohne weitere Prüfung geschenkt hat. Nun geben die Quellen den bekannten stürmischen Personenwechsel in der Nastwürde während des zweiten Tannatmgeschlechtes als Veranlassung zu dem Zusaminentritt der Synode. Auch diese Nachricht wurde auf Treu' und Glaube hingenommen. Ganz natürlich daher, daß man, auf Grund des über allen Zweifel erhabenen Zusammenhanges zwischen dem Personenwechsel und dem Traktate des ״Zeugenverhörs," in Edojoth die Aufzeichnung der, in Folge des eingetreteneu Wechsels, nöthig gewordenen Revision derjenigen Halachoth erblickte, die unter dem nun anrtsentsetzten Nasi, der vorzüglich als religiöses Oberhaupt fungirte, festgestellt worden waren. Nun wollten aber ziemlich bedeutende Partien in Edojoth sich nicht in den Rahmen dieser Vorstellung fügen; so z. B. das ganze erste Kapitel dieses Traktates. Aus dieser Verlegenheit suchte man sich bald mit wirklich geistreichen Auswegen zu helfen (vgl. Kerem cheraed V. p. 170 ff.). So glaubte man die Schwierigkeit, die das erste Kapitel bot, aus dem Wege zu räumen, indem man es als