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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 3 · p. Seite 143

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 3
Article
Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaim-Periode
Date
1871-01-01
Page
Seite 143 (sequence 7)
Language
German
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halachlsch-exegetischen Sammlungen während der Tannaim-Periode. 143 Einleitung bezeichnete (ibid p. 180), die hauptsächlich die Aufgabe hatte, in allgemeinen Umrissen über die tanna'itische Verfahrnngsweise bei Behandlung und Feststellung der Halachoth Aufschluß zu geben (. .. רצה להציג גם כן איוה מאמרים כוללים בדרכי?*ימוד ההלכות ibid). In derselben Weise sah man sich den übrigen Schwierigkeiten gegenüber zu helfen. Kurz, uns ist es kaum begreiflich, wie Kritiker ersten Ranges sich dabei beruhigen konnten. Die gedachten Schwierigkeiten, verbunden mit andern wichtigen Bedenken, hätten, so sollte man meinen, zur äußersten Vorsicht gegen die Quellenangabe hinsichtlich des Veranlassungsmotiv des ״Zeugenverhörs" mahnen sollen. Schon die beträchtliche Anzahl der, den Quellen gemäß, an ״jenem Tage" behandelten Gegenstände erregt Verdacht gegen die Vorstellung, die die Nachrichten sich vom Hergange der Sache mache». Die ausdrückliche Angabe (Edojoth Kap. 8, Misch. 3), daß der angeblich schon damals amtsentsetzte R. Gamliel das Präsidium führte, spricht zu deutlich, als daß haarspaltende Subtilitäten die Kluft ausfüllen könnten, die zwischen dieser Nachricht und der bewußten wiederholt betonten Vorstellung besteht. Was aber geradezu die Grundlosigkeit der quellenmäßigen Vorstellung unwidersprechlich bloßlegt, ist ihre widernatürliche, mit dem Geiste der Halachahträger unvereinbare Unterlage. Die Vorstellung setzt die Wahrscheinlichkeit einer Thatsache voraus, die schlechterdings mit den historischen Zeugnissen im Widerspruch steht. Nach ihr wäre das Halachahsystem von der jedesmaligen Individualität des Nasi oder religiösen Oberhauptes abhängig gewesen. Wenn dies überhaupt bei den Tannai'm denkbar wäre, so hätte der Verdacht gegen R. Gamaliel's Willkür in Gesetzesentscheidungen doch umnöglich so weit gehen können, daß man eine vollständige Revision der früher festgestellten Halachoth für nöthig finden konnte. Eine solche so tief eingreifende Erscheinung, die beispiellos in der Geschichte der Halachah dasteht, kann unmöglich in Persöulichkeitsfragen ihren Ursprung haben. Ein solches in das ganze religiöse Leben eines vorzüglich religiösen Volkes in einer durch und durch religiösen Zeit so tief einschneidendes Faktum wurzelt unbedingt in selbstlosem,!;eiligem Ernst, ist das Produkt des mit Nothwendigkeit sich äußernden und eifrigst bestrebten Nationalgeistes, seine höchsten Güter vor einer drohenden Gefahr zu retten.

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