Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaim-Periode
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 5)
- Language
- German
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halachisch-cxegetischen Sammlungen während der Tannalm-Periode. L41 oder ähnliches Medium vorhanden. Mit ihrem Erscheinen in der Geschichte fängt der besprochene Einfluß an, sich auf direkte Weise geltend zu machen. Doch beschränkte die Unsicherheit sich zunächst auf eine kleine Anzahl von Fällen. Sie würde aber, selbst wenn keine außerordentliche Umstände hinzugekommeu wären, zweifelsohne im Verlaufe der Zeit bedeutendere Dimensionen angenommen haben. Zuerst wäre die Reihe an diejenigen religiösen Handlungen gekommen, die nur in seltenen Fällen zur Allwendung kommen, die daher au Sitte und Brauch, jenen mächtigen Stiitzen des Schriftwortes, keinen Anhaltspunkt haben. Nach und nach würden sie sich auch aus euren großen Theil der in der Praxis beständig fortlebenden Gesetze erstreckt haben. Im Großen und Ganzen aber wäre das religiöse Leben von der Unsicherheit verschont geblieben; die an der Theorie und Praxis sich festhaltende Ueberlieferung bildete einen mächtigen Dainm. Die kurz hierauf eingetretenen und lange anhaltenden politischen Katastrophen aber zersprengten nicht nur die Einheit dieser beiden Stützen der Ueberlieferung, sondern zerschlugen diese auch in unzählige Trümmer. Mit der politischen Einheit war auch die einheitliche Basis der Ueberliefernug geschwunden. Und so kam es, daß, als die Ausläufer des ersten und das zweite Tannäimgeschlecht die eine geraume Zeit unterbrochene Arbeit des Ausbaues der religiös-gesetzlichen Regelung wieder aufnahmen, man mit jedem Schritte auf die wiedersprechendsten Ansichten und Zeugnisse stieß. Die sich nun sanunelnden und verstärkenden Jünger der schon früher im Entwickelungsstadium begriffeneir zwei Hauptrichtungen, der schammaitischen und hillelitischen nämlich, fanden in den zerstreuten deutungsfähigen Trümmern der Praxis willkommene Bestätigung der eingenonrmenen Standpunkte. In Ermangelung des vormaligen Correctivs bildeten sich nun zwei diametral entgegengesetzt laufende Systeme aus, deren gefährliche Tragweite für die religiöse Einheit unberechenbar war. Wie sehr das praktische Leben in dem kurzen Zeitraums von kaunl einem Menschenalter in allen seinen Theilen von diesem schädlichen Einflüsse getroffen wurde, beweist am meisten folgender Umstand. Die heiligsten Grundpfeiler des jüdischen Lebens, die Ehegesetze, fingen an zu wanken. Die Bestimmungen über die Schwagerehe trugen schon im ersten Tannäi'mgeschlechte tiefe Spuren von zunehmender Auflösung (vgl. Jebomoth Kap. l, Misch. 2).