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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1871-01-01 · Heft 3 · p. Seite 140

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
20 (1871)
Issue
Heft 3
Article
Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und halachisch-exegetischen Sammlungen während der Tannaim-Periode
Date
1871-01-01
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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HO Veranlassung, Zweck und Entwickelung der halachischen und Wenn wir hier dieser unabweisbaren Forderung nicht genügen, so geschieht dies, weil eine sich auf Zeichnung von Umrissen beschränkende Arbeit sich eine solche Selbstbeschränkung auferlegen kann und muß. Und gebotene Selbstbeschränkung ist es auch, wenn diese Untersuchung, außer den einschlägigen Stellen in den mehrmals erwähnten Werken, die anderen kleineren, . auf diesen Gegenstand bezüglichen und gediegenen Arbeiten äußerst selten und nur insofern in ihren Kreis ziehen wird, als deren Berücksichtigung unumgänglich sein möchte. Erster Artikel. Der Eintritt Schammai's und Hillel's in die Geschichte der Halachah-Ueberlieferung bezeichnet die Anfänge einer Revolution im jüdischen Geistesleben, die, beim Hinzutreten ungünstiger Umstände, die Vernichtung des LebensprincipS des Judenthums herbeiführen mußte. Und in der That stellten sich bald genug die Bedingungen des Zersetzungsprozesses ein. Nur der tiefblickenden Einsicht des zweiten Tannaimgeschlechtes hat man es zu verdanken, wenn diese Auflösung, beinahe ganz vollzogen, nicht nur auf einmal gehemmt wurde, sondern auch die entgegengesetzten Wirkungen zur Folge hatte. Denn in den sichtbaren Aeußerungen des Zersetzungsprozesses wirkte dasjenige Lebensprinzip, das in den jüdischen Volkskörper, dem nicht lange darnach der letzte politische Todesstoß versetzt werden sollte, eine Kraft legte, die demselben eine eigene, immer sich regenerirende Entwickelung sicherte. Mit Schammai und Hillel verließ, aus bis jetzt noch nicht erkannten Ursachen, die bis dahin an der Hand der Ueberlieferung fortgeführte religiös-gesetzliche Regelung des Lebens in all seinen , Theilen ihre bisherige uralte Stille und friedliche Stätte, um auf dem geräuschvollen Lebensmarkte, in öffentlichen Lehrhäusern in Geisteskämpfen ihre Autorität geltend zu machen. Auch das bestimmteste, sorgfältig präcisirte Gesetz zeigt fein analysirenden Anwendungsversuchen gegenüber eine Fülle ungeahnter Lücken. Solange der Einfluß solcher Versuche sich durch das Medium von Majoritätsbeschlüssen geltend macht, wird jede Lücke geschwind ausgesüllt, machen sich die aufgetauchten Zweifel nicht für die Dauer fühlbar. Vor Schammai und Hillel war ein solches

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