Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 20 (1871)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der jerusalemische Talmud im Lichte Geiger'scher Hypothesen
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 17)
- Language
- German
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Der jerusalemische Talmud 136 ist also wohl möglich, daß die Gelehrten über ihn streiten, indem ihn die einen billigen, die andern verwerfen; ist es aber die Einrichtung einer alten Autorität und ein Volksbrauch zugleich, worum es sich handelt, so entsteht die Frage: wozu ein Streit, dessen Entscheidung in jeder Synagoge vernommen werden kann. Offenbar ist dies auch der Sinn im Jeruschalmi; der Babli faßt ihn nur schärfer, präciser nach seiner Weise und Frankel spricht mit Recht von einer kleinen Variante; anders Geiger: ״Diese einzelne Abweichung in der Darstellung desselben Satzes beleuchtet hinlänglich den verschiedenen Geist, der in den beiden Schulen waltete". Wahrlich, der muß eine scharfe Sehkraft besitzen, dem diese einzelne Abweichung eine so ungeheure Kluft der Meinungsverschiedenheiten, wie die von Geiger statuirte, hinlänglich beleuchtet. Allerdings sagt G., solche Dinge kommen noch zu Dutzenden vor; aber wir sind mißtrauisch geworden gegen die Dutzende von nicht vorgebrachten Belägen, wenn die eine Probe immer so schlecht ausfällt. Und jetzt verstehen wir auch das oben erwähnte entweder — oder, denn Alles zielte ja schon in den allgemeinen Sätzen auf den großen Coup hin, in dem die Männer der ecetosia magna eine Rolle spielen. Doch ist es nicht endlich an der Zeit, daß wir dieser Besprechnng fast schülerhafter Jrrthümer ein Ziel setzen; sollen wir noch die ״frommen Brüderschaften", den Haß der Gelehrten gegen das Patriarchenhaus und ähnliche schöne Dinge Revue passiren lassen? Ich denke, daß auch init den bisherigen mehr als hinlänglich der Beweis geliefert ist, wie unwirsch der ״Freisinn" mit der jüdischen Wissenschaft umspringt. Besonders bei Geiger hat sich die greisenhafte Manier des Wiederkäuens, des Breittretens längst überwundener Hypothesen so unmanierlich ausgebildet, daß wir das Berliner don mot begreifen: entweder hat sich dieser Mann überlebt, oder er hat nie gelebt. Auch der Aufsatz über den jerusalemischen Talmud ist zum großen Theil eine derartige Wiederkäuerei, wie sie abgelebten Greisen eigen ist; wo der Geist frisch ist, da ist, wie bei Frankel, stets auch ein reger, lebendiger Fortschritt. Von dem andern Theil des Aufsatzes, der sich dem jerusalemischen Talmud direkt zuwendet, können wir unser Urtheil dahin zusammenfassen: seine Vorzüge